Pedalüberdruss?

Zisch, Zerr, Blubber, Halllllllllllll, Echo... cho... ho... o

Pedalüberdruss?

Beitragvon FretNoize » Mittwoch 11. Mai 2016, 10:48

Ich merke mehr und mehr, daß ich allem Anschein nach Zerre aus Pedalen nicht mag. Ich mag Pedale für Reverb, Delay, Modulation, Boost, EQ, Compressor. Immer wenn ich ein absolut ausgetüfteltes Pedalboard sehe, das von seinem Besitzer unverändert auf viele Sessions geschleppt wird (z.B. Thomas Blug), fällt mir auf, das meines in einem konstanten Umbruch ist. Aber erst neulich hat es Klick gemacht - das einzige, was wirklich immer wechselt, sind die Distortion-Pedale. Fest gesetzt auf meinem Pedalboard:
Okko VIB,
tc electronic Sentry (nur zuhause, wegen der Bahnlinie brauch ich das)
Empress Compressor
Artec parametric EQ
Empress ParaEQ with Boost
Mobius
BigSky
Timeline
pitchblack tuner

Aber die Zerrer sind im konstanten Wechsel. Dual Fusion, Soulfood, Blue Note, PlexiDrive, JCMDrive, Sparkle Drive, BB PreAmp, Timmy, Alberta, Mudhoney, Tubescreamer, BoR, Bogner Ecstacy Blue, MojoMojo und viele andere - alles war drauf, zT etwas länger (JCMDrive, Dual Fusion, BB, Timmy), aber ist irgendwann wieder runtergeflogen. Oder die Plexi-Richtung, keines der Pedale stellt mich da richtig zufrieden, auch die hier vielgelobte Box of rock nicht.

Ich finde kein Pedal, das eine so "organische", runde, ausdrucksstarke Zerre produziert wie ein Röhrenamp, zB der Egnater Tweaker. Der Royal Overdrive ist da eine Ausnahme, verbiegt mir allerdings den Klang in eine Richtung, die ich nicht so häufig spiele - und diesen Klang kann ich mit dem ParaEQ und dem Shiva-Leadchannel einigermassen ähnlich abbilden.

Bilde ich mir das ein (was durchaus sein kann), das Pedale das nicht liefern? Oder habe ich nicht die richtigen Pedale ausprobiert? Angeblich soll das Tim Pierce Overdrive die Vorstufe des Amps abbilden und DIE Wunderwaffe sein, aber aufgrund meiner bisherigen Erfahrung mag ich nicht noch mehr Geld in Zerrer stecken.
Aloha,
Holger

Ich kann zwar nichts Sachdienliches zu irgendeinem Thema beitragen, aber ein bisschen Verwirrung geht immer.
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Re: Pedalüberdruss?

Beitragvon Batz Benzer » Mittwoch 11. Mai 2016, 11:10

Hi Holger,

lustig, ich denke seit ein paar Tagen über einen Thread ähnlichen Inhalts, nur mit anderer subjektiver Aussage nach, so dass ich meine noch etwas ungeordnete Gedanken jetzt hier einfach mal einklinke:

Mein persönliches Hi-Gain erreiche ich stets durch die Kombination eines TS, bzw. LoGain Overdrives mit einer Distortion-Stufe, die entweder aus dem Amp oder ebenfalls aus dem Pedal kommt.

Beispiel 1: Hughes & Kettner Tubemeister 5 (Drive ist ein Transistor-Schaltkreis).

Beispiel 2: Marshall Jubilee 2554 (Lead-Master ist ebenfalls ein Transistor-Schalkreis).

Beispiel 3: Marshall JCM1 (oder auch der 1kanalige 800er) stets in Kombi mit einem TS. (Hier muss ich immer an Dich, Thomas/Setneck denken: Wenn Du doch einen TS hättest, bzw. haben wolltest, wäre der JCM1 bestimmt geblieben...! ;) )

Beispiel 4: Blackheart Top, angeblasen mit Barber Ltd und Dirty Bomb.

Daher kam ich erst einmal zu dem Schluss, dass es für meinen Wohlfühl-Ton wohl Transistoren UND Röhre braucht.

Mein Pedal-Überdruss ist eher ein Pedal-Überschuss; ich habe z.B. recht viele Distortion-Pedale, die alle genau das machen, was ich will und sich nur in Nuancen voneinander unterscheiden. Diese Unterschiede prädestinieren sie dann für ihren Einsatz vor bestimmen Amps, in Kombination mit bestimmen anderen Geräten und Gitarren, etc.

Fazit: WENN ich einen Amp ohne Pedale fahre, dann clean oder angeknuspert (wobei ich letzteres auch sehr gerne mit Pedalen erledige und keine Wünsche offen bleiben); nehme ich ihn mit HiGain volley, braucht es eine Transen-Ebene, um mir das klangliche Wohlfühl-Paket zu bieten.

Es bleibt also dabei: Jeder Jeck ist anders. :clown:

Lieben Gruß,

Batz.
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Re: Pedalüberdruss?

Beitragvon Wizard » Mittwoch 11. Mai 2016, 11:16

Es ist schlicht und einfach so, dass Zerrer halt nur simulieren, während die 'wahre' Zerre eines übersteuerten Amps bedarf.

Dein inzwischen wohl sehr geschultes Ohr hört halt bei aktivierten Zerrern Dinge die stören und nicht 'the real thing' sind.

Wie denn auch ... Siehe oben, Zerrer simulieren aufgerissene Röhrenamps (meistens), sind aber keine. Quasi ein fake :twisted: :)
Gruß Peter

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Re: Pedalüberdruss?

Beitragvon Batz Benzer » Mittwoch 11. Mai 2016, 11:26

Zum Thema FAKE:

Uns ist teilweise gar nicht klar, was alles wirklich FAKE ist: Man denke nur an den Zeilenaufbau bei Monitoren, die die Trägheit unseres Auges ausnutzen. MP3 gaukelt unserem Ohr auch eine Tiefe vor, die es aber gar nicht mehr gibt. Jede Lautsprecher-Wiedergabe eines Klangereignisses, welches zuvor statt gefunden hat, ist ein FAKE.

Ihr kennt doch bestimmt diese LED-Leuchtstränge, die die Farben wechseln? - Da sehe ich einzelne, nervig wechselnde, pulsierende Farbverläufe, derweil alle anderen tolle, satte, vor allem aber ruhige Farben sehen. Außerdem klappt 3D bei mir nur eingeschränkt.

Warum ich das erzähle? - Weil es m.E. absolut subjektiv ist, was für einen funktioniert und was nicht. Nur weil etwas FAKE ist, würde ich es nicht für gut oder schlecht halten; erst wenn es für mich nicht funktioniert, würde ich es (subjektiv) negativ bewerten.

Ich glaube, dass Holger sich da an was reibt, was ich gar nicht (als störend) bemerke. Und umgekehrt. Ob das jetzt "mehr" oder "anders" Hören ist, kann und mag ich gar nicht beurteilen.

Lustigerweise finde ich alle Sounds, die ich von Holger bisher gehört habe, im höchsten Maße amtlich und begeisterungswürdig. Ist also womöglich wieder mal eine Haptik- und keine Sound-Frage. ;)

Spannendes Thema, danke hierfür! :thumbsup03:

Lieben Gruß,

Batz. :smoke01:
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Re: Pedalüberdruss?

Beitragvon Wizard » Mittwoch 11. Mai 2016, 11:35

Batz Benzer hat geschrieben:
Lustigerweise finde ich alle Sounds, die ich von Holger bisher gehört habe, im höchsten Maße amtlich und begeisterungswürdig.

:smoke01:

Geht mir genauso :thumbsup03:

Ich besetze das Wort fake nicht negativ. Wohlwissend, dass es sich doch um viele kleine bunte fakes handelt, sind Zerrer meine
herzallerliebsten Bodentreter - von denen ich auch immer diverse auf dem Board habe.

:smoke01:
Gruß Peter

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Re: Pedalüberdruss?

Beitragvon telly45 » Mittwoch 11. Mai 2016, 11:39

Gedanken, die ich mir auch gerade wieder mache, Holger. Gibt es denn keinen vernünftigen Zwei- oder Dreikanaler, der mit entsprechenden Schaltoptionen mir die gewünschten Sounds Clean, Crunch und Rock zur Verfügung stellt, und das in einer Qualität, die mich auch wirklich zufrieden macht?

Von daher meine Gedanken mit den Bogner Amps, aber ich interessiere mich auch für einen Marshall JVM205. Ich bin mit den Sounds aus Amp und den bunten Zerrerkistchen davor grundsätzlich schon zufrieden, aber ich habe eigentlich am liebsten nur noch ein bisschen Delay dazu, und fertig. Und ein weiteres wesentliches Thema dabei ist für mich, dass das ganze einigermaßen leise und einigermaßen laut gleichermaßen gut klingt. Wahrscheinlich ist das alles physikalisch und technisch und so weiter gar nicht möglich, aber man gibt die Hoffnung ja nicht auf, und so teste ich halt weiter und bin mit meinen vorhandenen Sachen dennoch sehr zufrieden.
Gruß Rainer
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Re: Pedalüberdruss?

Beitragvon Magman » Mittwoch 11. Mai 2016, 11:43

Das Thema ist klasse :thumbsup03: :boing01:

Hören und Fühlen sage ich dazu nur. Andere hören bei dir gute Sounds - und ja, die sind sehr gut! Aber die könnten auch aus einem Kemper, AxelFX, oder Mustang kommen - wir würden das definitiv nicht hören.

Röhrensättigung ist Röhrensättigung > Endstufensättigung ist Endstufensättigung. Punkt! Die kann man zwar auch simulieren, aber nicht das Gefühl was dahinter steht. Punkt!

Ich bin darin sehr empfindlich und je mehr ich das Gefühl habe mich wohlzufühlen, um so besser und ideenreicher spiele ich. Genau aus diesem Grund spiele ich ja Amps mit wenig Watt, um eben in den Bereich des Wohlfühlens zu kommen. Es sind ja nur Kleinigkeiten, aber eben für uns Gefühlsmenschen wichtige Kleinigkeiten ;)
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Re: Pedalüberdruss?

Beitragvon Batz Benzer » Mittwoch 11. Mai 2016, 11:47

Wizard hat geschrieben:
Batz Benzer hat geschrieben:
Lustigerweise finde ich alle Sounds, die ich von Holger bisher gehört habe, im höchsten Maße amtlich und begeisterungswürdig.

:smoke01:

Geht mir genauso :thumbsup03:

Ich besetze das Wort fake nicht negativ. Wohlwissend, dass es sich doch um viele kleine bunte fakes handelt, sind Zerrer meine
herzallerliebsten Bodentreter - von denen ich auch immer diverse auf dem Board habe.

:smoke01:


:prost:
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Re: Pedalüberdruss?

Beitragvon FretNoize » Mittwoch 11. Mai 2016, 12:57

Batz Benzer hat geschrieben:Nur weil etwas FAKE ist, würde ich es nicht für gut oder schlecht halten; erst wenn es für mich nicht funktioniert, würde ich es (subjektiv) negativ bewerten.

Ich glaube, dass Holger sich da an was reibt, was ich gar nicht (als störend) bemerke. Und umgekehrt. Ob das jetzt "mehr" oder "anders" Hören ist, kann und mag ich gar nicht beurteilen.

Ich würde bei Pedalen auch gar nicht von Fake sprechen wollen. Klar, manche sind entstanden, um einen angeblasenen Amp zu simulieren, aber andere orientieren sich nicht an irgendwelchen Vorbildern.

Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, wieviel Psychoakustik bei mir dabei ist. Ich hab schon öfter gemerkt, wie anfällig ich dafür bin. Wenn ich jetzt in einem Amp einen Drive-Kanal mit Diodenzerre drinhätte, würde ich das merken? - Ich glaube nicht. Manchmal gefällt mir ja auch eine Kombination Pedal-Amp, aber es hält nie lange an. Vielleicht ist der Unterschied einfach der, daß man ein Pedal so schnell austauschen kann, aber an einem Leadchannel ist alles gesetzt und man muß, nachdem man die Einstellmöglichkeiten erschöpft hat, einfach so spielen, daß es gut klingt.

Magman hat geschrieben:Andere hören bei dir gute Sounds - und ja, die sind sehr gut! Aber die könnten auch aus einem Kemper, AxelFX, oder Mustang kommen - wir würden das definitiv nicht hören.

(Vielen Dank für's Lob.) Ja, ich hab jetzt lange mein Axe-Fx nicht mehr zu Hause gespielt (steht im Proberaum), aber früher bin ich auch damit glücklich geworden - aber, wenn ich das jetzt mal resümiere - auch ohne (virtuelle) Pedale. Da gibt es ein Modell eines alten Plexis mit einem alten Cab, das klang richtig geil, da hab ich einen ganzen Abend mit rumgedengelt. Ich schätze, mit einem Kemper wäre es auch ok, ich hab noch nie mit einem gespielt. Es macht mal ganz abgesehen davon ob der Sound jetzt besser oder schlechter ist, einfach mehr Spaß, einen Röhrenamp einzustellen, den Standby-Switch umzuschalten...

Magman hat geschrieben:Röhrensättigung ist Röhrensättigung > Endstufensättigung ist Endstufensättigung

Sowohl beim Bogner als auch beim Egnater kommt die Endstufensättigung bei mir nicht zum Tragen, so laut drehe ich die trotz Isobox nicht auf. Gewisse Lautstärke ja, aber ich glaube von der Sättigung bin ich da noch weit entfernt. Der Tweaker hat auch 88W, das ist nur ganz kurz vor 100W. Ich stehe also auf Vorstufenzerre ;)

telly45 hat geschrieben:Gedanken, die ich mir auch gerade wieder mache, Holger. Gibt es denn keinen vernünftigen Zwei- oder Dreikanaler, der mit entsprechenden Schaltoptionen mir die gewünschten Sounds Clean, Crunch und Rock zur Verfügung stellt, und das in einer Qualität, die mich auch wirklich zufrieden macht?

Da liegt meine Hoffnung ja auch auf dem Goldfinger. (Tut mir übrigens sehr leid, daß ich Dir Deine Testmöglichkeit so torpediert habe...)
Aloha,
Holger

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Re: Pedalüberdruss?

Beitragvon telly45 » Mittwoch 11. Mai 2016, 14:29

FretNoize hat geschrieben:...
telly45 hat geschrieben:Gedanken, die ich mir auch gerade wieder mache, Holger. Gibt es denn keinen vernünftigen Zwei- oder Dreikanaler, der mit entsprechenden Schaltoptionen mir die gewünschten Sounds Clean, Crunch und Rock zur Verfügung stellt, und das in einer Qualität, die mich auch wirklich zufrieden macht?

Da liegt meine Hoffnung ja auch auf dem Goldfinger. (Tut mir übrigens sehr leid, daß ich Dir Deine Testmöglichkeit so torpediert habe...)


Da brauchst du dir keine Gedanken machen, testen will ich im Laden ohne "Verpflichtungsdruck" und mit Vergleichsmöglichkeiten. Insofern wäre das für mich eh keine Option gewesen :prost:
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