Epiphone Riviera Custom P93 WR

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Paulasyl
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Epiphone Riviera Custom P93 WR

Beitrag von Paulasyl » Samstag 29. Juni 2019, 14:31

Ein lazy sunny afternoon in summertime ist genau richtig, um schon mal ein wenig am nächsten Review zu schrauben. Fotos reiche ich dann mal nach...die offiziellen bei Thomann und beim Store reichen aber fast, denn die sieht wirklich so wunderschön aus.
Eigentlich wollte ich nie so'n halbes Dickschiff haben, aber irgendwas hat mich gereizt, vermutlich die geile Optik, P90 und ein fettes Bigsby, das das Gesamtgewicht der Gitarre anscheinend vervielfacht.
Condition on arrival war völlig ok, lediglich der Sattel muss nachgefeilt werden, wie immer bei Epi zu hoch gekerbt. Ein Kuriosum: Der Hals war schnurgerade bis leicht konvex, da musste ich erst mal eine halbe Umdrehung nachlassen (und es könnte trotz der neuen 11er sogar noch etwas mehr), dabei zeigte sich der leichtgängige Stahlstab als durchaus zuverlässig - hatte ich doch befürchtet, dass der Trussrod zu schlabbern anfängt, bevor die Krümmung stimmt.

Die Wlkinsons mit dem schönen altertümlichen Aussehen tun einwandfrei, passen aber nicht so gut zu meiner Saitenkurbel für zwei Größen. ;) Dank des Bigsby macht man den Wechsel ja nicht freiwillig, das ist echt nerviger, als ich geglaubt habe, geht aber nach zwei bis drei Saiten und der entsprechend steilen Lernkurve dann doch. Tipp an alle Nachahmer: Niemals die hohe e zuletzt nehmen, da braucht man dann schon spitze Finger. Der Saitenwechsel war dringend angeraten, weil die Saiten rappelige, dünn klingende und komisch kupfern glänzende Schrottteile sind, die einem pechschwarze Fingerkuppen und -beeren bescheren. Die oft kritisierten f-Löcher sind keine handwerkliche Offenbarung, aber vertretbar, sonst sind Lack-und Monatgearbeiten sehr sauber ausgeführt, mit dem für Epi typischen Binding, das nur seitlich sichtbar ist. Bundierung ist vorbildlich, ordentlich poliert und an den Halskanten perfekt. Die eigenständigen Inlays sind astrein ausgeführt.

Die drei Dogears sind durch die gewölbte Decke zwar mit entsprechenden Rähmchen in der Höhe etwas angepasst, haben aber einen unterschiedlichen Einbauwinkel, ein optisches Manko, das aber der Sache keinen Abbruch tut...was uns zur völlig ungewohnten Schaltung führt. Es gibt ein Mastertone und drei Volumepotis, die völlig unabhängig voneinander funktionieren. Der Toggleswitch arbeitet klassisch Hals- Hals/Brücke - Brücke.
Der Mittelpickup hat keinen Schalter und wird zugemischt, bei Vollgas ergibt sich dann 1. ein Humbuckingeffekt und 2. ein Out-of-Phase Sound (der Extraklasse, Anm. d. G), natürlich ist dabei immer der Bigsbyarm im Weg, aber irgendwas ist ja immer.
Die Gitarre hat den perkussiven Grundcharakter einer Halbakustik und insgesamt einen eher dezenten Höhenanteil, nicht mumpfig, aber doch nie schrill oder harsch, ich habe am Amp sogar mal ein paar Höhen dazugegeben, die ich sonst eher nicht mag. Die Schaltung macht sie klanglich extrem flexibel, den für meinen Geschmack zu groß gewählten Kondensator am Tonepoti kann man getrost vergessen. Also Blues und Jazz im Cleanbereich hat sie schon mal im Sack. Auch als Rockgitarre macht sie dank der P90 eine großartige Figur, Rotz und trotzdem Finesse, umkippende Töne bei erstaunlich gutem Sustain. Auch hier könnte sich aber der Out-of-Phase sound als Geheimwaffe etablieren: Man stelle sich singende Halpickuptöne vor a la Gary Moore, dann mixt man dazu den MittelPU und es singt immer noch, aber irgendwie aufgeräumter und milder. Gefühlt weniger Gain, aber mehr Klarheit, ohne den Charakter des Halspickups wegzunehmen. Extrem geil! Feinabstimmungen gehen wegen der Dogear-Bauweise natürlich nur über die Polepieces, da werde ich noch ein bißchen experimentieren.
Update: Habe ich gemacht, es klingt ein wenig homogener, die Lautheitsunterschiede sind nicht mehr so krass, nennenswerte Soundunterschiede habe ich nicht feststellen können. Am Vaporizer neigt das Ding zum Rückkoppeln, das kann aber durchaus dem Amp mit seiner merkwürdigen Hallschaltung geschuldet sein.

Der Hals ist ein recht breites D, schlank, aber nicht zu wenig Fleisch. Hängt ausgezeichnet am Balg, ist aber wirklich schwer, das Bigsby ist ja nun auch ein ordentliches Stück Metall. Feedbackfestigkeit interessiert mich jetzt nicht soooo sehr, daheim gab es keinerlei Probleme, die Gitarre ist aber auch nicht für den Einsatz an den 4x12ern angeschafft worden. Die Stimmfestigkeit kann natürlich durch einige Faktoren beeinflusst werden, Rollenbrücke, Knochensattel, Schmierung an den richtigen Stellen, aber wenn man moderat am Hebel spielt, ist das schon erträglich. Den Knochensattel werde ich sowieso einbauen, denn den Episattel müsste ich eh nachfeilen, daher kann ich ach gleich neu anfertigen. In diesem Zusammenhang: Epi setzt hier auf die Tune-o-matic der schmalen Bauweise mit den dünnen Bolzen. Die mag ich lieber, es sieht einfach besser aus und ich finde Konstruktion gelungener. Hier kommen aber vorgekerbte Reiterchen zum Einsatz, was dazu führt, das der Radius nicht 100% zum Griffbrett passt und die G Saite (wegen der kleineren Kerbe) etwas zu hoch liegt im Verlauf mit den anderen. Kann man anpassen, merkt die verwöhnte rechte Hand aber sofort. Trotzdem, nichts jammert so schön wie ein Bigsby, das ist großes Kino!

Trotz des auch geilen Rocksounds ist die Geige für mich persönlich doch eher im Jazz, Blues und Country Bereich zu Hause, vielleicht sogar für coole Funksounds, hier macht sie einfach mehr Spaß als die Solid Bodies. Für mich eine gelungene Bereicherung des Fuhrparks mit vielseitgen Sounds. Und außerdem: Das ist mal ein richtiger Leckerbissen für Augen: Großartig.


Und hier wie versprochen die Fotos: Ich mag den Makro-Modus meiner Knipse, alle denken, ich wohne im staubigsten Haushalt der Welt. Dafür am Anfang Gruppenbild mit Dame. Rendezvousanfragen zwecklos, die Dame ist kastriert.
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Re: Epiphone Riviera Custom P93

Beitrag von Molle » Samstag 29. Juni 2019, 21:53

die geile Optik
und jetzt erfährt das geneigte publikum nicht einmal, von welcher farbe das schöne instrument ist :(

soweit ich das bisher gesehen habe, gibt es (in meiner gunst aufsteigend) dunkles weinrot, knalleblau und gold top.
Zuletzt geändert von Molle am Sonntag 30. Juni 2019, 20:39, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Epiphone Riviera Custom P93 WR

Beitrag von Paulasyl » Sonntag 30. Juni 2019, 19:32

Ui, das ist mir durchgegangen, ich kann die nur in wine red finden...
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Re: Epiphone Riviera Custom P93 WR

Beitrag von Magman » Sonntag 30. Juni 2019, 20:14

Danke für dein Review :thumbs:

Ich finde diese Epi auch klasse und hätte sie auch bereits mehrfach in Händen. Ich fand die relativ schwer, also so um 4 Kilo. Ist das bei deiner auch der Fall? Ansonsten ist das ne sehr hübsche und klanglich interessante Semi!

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Re: Epiphone Riviera Custom P93 WR

Beitrag von HaWe » Montag 1. Juli 2019, 09:15

Drei P90 sind schon was Feines!
Ich spiele seit einiger Zeit (mal wieder ;-) ) fast nur noch meine Reverend Jetstream 390 und damit ganz glücklich.
Damit geht (fast) Alles. ;-)
Könnte mir vorstellen, dass das mit der P-93 ähnlich wäre. :kopf_kratz01:
Gruß HaWe

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Re: Epiphone Riviera Custom P93 WR

Beitrag von Molle » Montag 1. Juli 2019, 14:18

sämtliche farben sind aktuell bei den ebay-kleinanzeigen zu besichtigen.

die goldenen wurden vor ein paar jahren in einer aktion von musik produktiv rausgehauen für irgendwas knapp unter 400 eur.

ich habe ja die eine oder andere riviera. das p90-modell allerdings nicht. irgendwie kein suchtdruck. vielleicht weil ich wirklich genug habe ? :shock:
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Re: Epiphone Riviera Custom P93 WR

Beitrag von Wizard » Montag 1. Juli 2019, 18:26

So'n Teil in weinrot tät mich durchaus anmachen... :sabber:
Gruß Peter

immer noch aktuell: >>> leben und leben lassen <<<

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Re: Epiphone Riviera Custom P93 WR

Beitrag von Magman » Montag 1. Juli 2019, 18:40

Es gab da ja auch noch die Royal in weiß mit gold. Aber ich glaube fast daran sieht man sich schnell satt!

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Re: Epiphone Riviera Custom P93 WR

Beitrag von Paulasyl » Montag 1. Juli 2019, 23:16

White Falcon lässt grüßen?

Davon ab, ich verwette meinen Arsch drauf, dass der Center Block Fichte und kein Mahagoni ist. Ich habe gerade erst 12 Rm Fichte von Hand gespalten, glaubt mir, ich kann die von Mahagoni unterscheiden. An dieser Stelle hat ein Review der Fiskars X27 Sinn?
Nach Anpassug der Halskrümmung und damit einhergehend eine flachere Einstellung der Saitenlage musste ich die PU-Höhen anpassen. Dank Dogears eben über die Pole pieces...das wird noch ein wenig bis zur Perfektion dauern, gerade weil das bei Zimmerlautstärke nicht einfach ist.
Es ist aber bemerkenswert, wie viele Nuancen bei dieser Methode drin sind, sowohl im reinen Lautheitsbereich als auch im Sound. Cool: eine Saite zu leise oder zu laut? Stumpf am PU einstellen, garantierte Balance für alle Saiten.
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Re: Epiphone Riviera Custom P93 WR

Beitrag von Big Al » Dienstag 2. Juli 2019, 08:23

Die Geige spiele ich seit ein paar Jahren (damals vom Pfälzer zu einem sehr guten Kurs erworben) und etwas modifiziert, aber nur Locking Mechaniken, was beim nervigen Saitenwechsel etwas hilft. Ansonsten ist der Trick folgender: Die Saiten am Bigsby einfäden und dann in einen Capodaster einklemmen. Dann hat man nämlich die dritte Hand, die man eigentlich brauch, der Capo hält die Saiten einigermaßen in Führung und man kann wie gewohnt, dann die Saitenenden in die Mechaniken einführen, mit Locking Mechaniken ist das dann relativ fix erledigt. Ich nutze die Gitarre für Country & klassischen RocknRoll und Blues-Sounds, die kann von Chet bis Chuck eigentlich alles.
Denk da lieber nochmal drüber nach (Stoppok)

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