Effektboard auf PA

Produktion, Homerecording & PA

Effektboard auf PA

Beitragvon tommy » Donnerstag 8. November 2018, 12:45

Moin Ihr Lieben,

mich beschäftigt mal wieder ein vielleicht merkwürdiges Thema!

Prolog:
M.E. interessiert sich bei einem Livegig kein Mensch für den genaustens reproduzierten Trademarksound eines bestimmten Amps, ausser vielleicht die Musiker Polizei. Will sagen, es ist völlig Wurscht, ob da ein Fenshall Boogie AC VH4 oder sonstwas tönt. Hauptsache der PA Sound und der musikalische Kontext stimmen.
Dem Gitarristen dürfte es auch Wurscht sein, er hört auf der Bühne ja sein geliebtes Baby.
:undwech:

Warum schreibt der Irre nun solch garstig Worte?
Nun denn:
Ich besitze keinen einzigen Amp, mit dem man vernünftig DI Boxen mit Speaker Sims, IRs oder Sonstwas ausspielen kann. Also keine Effektloops o.ä. im Gerät
Ferner besitze ich auch keinerlei weitere Peripherie mit Amp Modulationen etc.. D.h., Mikro Abnahme ist das einzige Mittel der Wahl. U.a. ein gewichtiger Punkt, warum ich jetzt beim Sennheiser E906 zugeschlagen habe (danke nochmal hier in die Bude, für den Schnäppchen Tipp!).
Nichtsdestotrotz....was spricht eigentlich dagegen, mit einem guten Equalizer (bspw. aus meinem Line 6 HX Effects) den entsprechend angepassten Sound direkt aus dem Effektboard, Multi etc. an das Mischpult zu schicken? Ok, kein 100%iger Trademark wie bei Ampmodulation, Speakersim, IR etc., aber doch normalerweise durchaus tauglich für das Publikum. Habe ich bei unserem letzten Kleingig so gemacht und die Gäste (teilweise sogar selbst Musiker) fanden den Sound gut.

Was meint Ihr?
LG Tommy


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Re: Effektboard auf PA

Beitragvon Batz Benzer » Donnerstag 8. November 2018, 12:50

Moin Tommy,

zunächst einmal freue ich mich, dass mein Tipp hier so gut angekommen ist! :banana02:

Die von Dir beschriebene Methode ist die der 80er-Jahre-Simulationsgeräte, die allerdings wesentlich präziser und aufwändiger bestimmte Frequenzen verändert haben. Wenn Du mit dem Ergebnis zufreiden bist, wüsste ich nicht, was dagegen spicht: Go for it! :thumbsup03:

Ich würde mir lieber das Brikett übern Amp werfen, aber das ist ja alles Geschmackssache.

Lieben Gruß,

Batz.
"Lennon was the soul of the Beatles, Harrison was the spirit, Paul was the heart, and Ringo was the drummer."

- George Martin
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Re: Effektboard auf PA

Beitragvon Keef » Donnerstag 8. November 2018, 13:00

War mal bei uns in der Nähe auf einem Tribute-Abend, an dem eine Band - alle In-Ear - nur über Floorboards direkt in die PA gespielt hat. (Trommler E-Drums)

Hmmm - das war lediglich ganz ok, aber Bühnensound war gleich NULL…
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Re: Effektboard auf PA

Beitragvon Ingolf » Donnerstag 8. November 2018, 13:37

Ein Gitarrenlautsprecher ist ein komplexer EQ, der, das vergisst man immer wieder, weitaus mehr macht als Sound bis 5.5 kHz und dann dicht.
Auf ein Fullrangesignal nun einfach einen Lowpass zu setzen, der die Höhen abschneidet, ist zwar möglich, es klingt dann nicht mehr unangenehm ÄTZEND, aber wo ist der komplexe Charakter?
Für mich würde das nicht in Frage kommen.

Beim Line 6 Helix FX kann man aber Impulsantworten von Lautsprechern (IRs) in die Effektkette laden.
Damit geht dann in Verbindung der internen Zerrer in der Tat so einiges.
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Re: Effektboard auf PA

Beitragvon kiroy » Donnerstag 8. November 2018, 13:56

tommy hat geschrieben:Ich besitze keinen einzigen Amp, mit dem man vernünftig DI Boxen mit Speaker Sims, IRs oder Sonstwas ausspielen kann.

Hi tommy,
natürlich hast Du entsprechende Amps:
Geh' aus dem Speaker-Out z. B. in eine Redbox und nimm dieses Line-Signal für die PA. Aus dem Speaker-Out der Redbox gehst Du in einen Attenuator, mit dem Du die Lautstärke runterdrückst und gehst von dort in den Speaker. Dann hast Du den Amp schön leise (oder ganz lautlos) und die PA bekommt trotzdem den vollen Amp-Sound.
So habe ich das lange Zeit gemacht und bekam auch immer entsprechend positives Feedback von Kollegen.
Wenn Du gar keinen Amp mitnehmen willst, gibt es ja auch die üblichen kleinen Kistchen, die man dann bei Bedarf einfach zwischen Efx-Board und PA steckt:
https://www.thomann.de/de/behringer_vtone_guitar_gdi21_analog_modeling_preamp.htm
Das wurde irgendwann mal auch hier im Forum empfohlen.

Ich dachte, die Sennheiser-Aktion wäre allgemein bekannt. Sennheiser macht schon mehrere Monate die Aktion "Mikro des Monats" und immer ein Mikro ist besonders günstig. Letzten Monat war's das E935 zum halben Preis. Bei Thomann scheint es davon noch einen kleinen Restbestand zu geben, falls jemand ein gutes Vocal-Mikro zum kleinen Preis sucht (99 Euro anstatt 179).
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Re: Effektboard auf PA

Beitragvon tommy » Donnerstag 8. November 2018, 13:59

Danke für die Einschätzungen!


@Micky:
Dafür habe ich das E906 gekauft und werde es auch anwenden! Trotzdem experimentiere ich auch gern ein wenig rum. ;)

@Ingolf:
"HX IRs in Verbindung mit dessen Verzerrern"....genau damit beschäftige ich mich gerade spaßeshalber! :thumbsup03:
Da können wir ja vielleicht Montag nochmal drüber schnacken.

@Roland:
Die Red Box war bislang meine non Mikro Lösung (klanglich m.E. noch mit "Luft nach oben").


Vielleicht sollte ich den geistigen Antrieb meines Threads hier etwas erklären:
1. Schlichter Wissens- bzw. Verständnisdrang.
2. Die -zugegebenermaßen etwas blödsinnige- Suche nach der kleinstmöglichen Immerdabei-Lösung mit gutem Sound. Ok, das E906 ist jetzt nur ein kleines Teilchen mehr! :D
Möglicherweise ist es für mich ja so tauglich, dass alles andere Quatsch ist. Ich habe es noch nicht ausprobiert. Beim bisher benutzten Superlux empfand ich den Ampsound in der PA oder beim Recorden immer als etwas zu kratzig oder zu dumpf. Dazwischen gab es irgendwie nichts.
Bin schon gespannt!
LG Tommy


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Re: Effektboard auf PA

Beitragvon telly45 » Donnerstag 8. November 2018, 14:25

Das 906 nutze ich ja schon gefühlte Ewigkeiten, auch wenn ich zwischenzeitlich mal eine Palmer PDI betrieben habe. Aber das 906 ist da eine ganz andere Hausnummer klanglich, so dass ich - als Ampnutzer - damit rundum glücklich bin. Wenn bei mir der Amp abrauchen würde, hätte ich als "mobilen Amp" die EHX Magnum 44 dabei, die dann die Ergüsse meines Boards über die Speaker des abgerauchten Amps wieder laut macht und das in klanglich völlig zufriedenstellender Weise. Das ist für mich eine wirklich gute Lösung in Kleinstform (Größe eines Standardeffektpedals).
Gruß Rainer
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Re: Effektboard auf PA

Beitragvon kiroy » Donnerstag 8. November 2018, 18:37

tommy hat geschrieben:@Roland:
Die Red Box war bislang meine non Mikro Lösung (klanglich m.E. noch mit "Luft nach oben").

Die RedBox war ja nur beispielhaft genannt und nur die Antwort auf Deine Feststellung, Du hättest keinen einzigen Amp, an dem Du eine DI-Box anschließen könntest.

Aber wenn ich Dich richtig verstanden habe, willst Du ja bei kleinen Gigs ganz auf Amp und Mikrofonierung verzichten und mit dem Pedalboard direkt ins Pult ("Effektboard auf PA") und da ist das Behringer GDI (oder das Original von Tech21) eine einfache und wirksame Lösung, die die von Ingolf aufgezeigte Besonderheit des Gitarrenlautsprechers besser in den Griff bekommt, als ein reiner EQ.
Teurer und besser geht immer und dann landet man irgendwann bei Kemper... ;)
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Re: Effektboard auf PA

Beitragvon partscaster » Donnerstag 8. November 2018, 21:15

Ich habe schon sehr überzeugende Sounds mit einem direkt ins Pult gespielten stinknormalen Zerrpedal erreicht. Am Pult-EQ die Höhen nach unten Korrigiert, ein wenig Reverb oder Delay dazu und fertig. Bei einem Gig, bei dem mein Mitgitarrist wegen eines Defekts keinen Amp hatte, haben das ja nicht mal die Gitarristen im Publikum gemerkt und er war auch glücklich. Also kann man das mit dem Multi ruhig mal probieren.

Mikroabnahme finde ich übrigens manchmal schwierig. Muss man sehr leise spielen - wie es in Kneipen etc. Oft der Fall ist -, kommt bei den typischen Standard-Mikros kein schönes Signal an. Da funktioniert dann ein Abgriff zwischen nach der Endstufe deutlich besser. In diesen Fällen geht es ja in der Regel auch darum einen homogenen Band Sound zu erreichen, vom Grundklang des Amps hat man da eh noch genug im Raum.
Bei großen Bühnen ist eine Kombination aus Mikro und Direktsignal auch super.

Grüße
Michael
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Re: Effektboard auf PA

Beitragvon Magman » Freitag 9. November 2018, 21:01

Tach,

mit Diesem Thema was Tommy hier eröffnete beschäftigte ich mich schon länger. Eigentlich wollte ich ja nix dazu schreiben, weil ich immer und immer wieder auf die ursprüngliche Methode zurückkomme.

Ich hab schon mit dem iPad/iPhone plus BIAS direkt ins Pult gespielt. Geht und klingt!
Ich hab mit dem Mustang Floor direkt ins Pult gespielt. Geht und klingt!
Ich hab mit meinem Tubeman, Tubemeister, Amp1, Kemper und AxeFX direkt ins Pult gespielt. Geht und klingt 1a!
Ich hab mit MiaB plus Mooer Radar direkt ins Pult gespielt. Woww!
Ich hab mit meinem Zoom G1on direkt ins Pult gespielt. brrrrr....

Da würden nun noch ne Hand voller Methoden folgen, weil ich ständig irgendwas am probieren bin - aus Spaß an der Freud.
Vorgestern habe ich dann mal einen H&K BS200 vom Kumpel direkt ins Pult gespielt. Der wurde ja u.a. dafür entwickelt. Das geht sogar sehr gut und klingt richtig top. Dann habe ich im 1:1 Vergleich meinen SM60 mit der Redbox6 ins Pult gespielt. Das klang ebenso top. Zu guter letzt habe ich dann (mal wieder, wie so oft) mein Brikett (das gute Superlux MKI) vor die Box gestellt und über die PA verstärkt. Bämmmmmm! Ich für mich habe abgeschlossen, weil es zumindest für mich nichts gibt was dieser alten Methode das Wasser reichen kann in Sachen Wohlfühlen. Wenn ich einen Lieblingsspeaker habe (und den habe ich und liebe seinen Sound!), dann mag ich den auch genau so hören - und nur mit dieser Methode höre ich genau den und das ist Fakt!

Ich kann einem jeden nur dazu raten alles mögliche zu probieren, zu testen. Und da wir alle anders ticken gibts auch viele verschiedene Meinungen dazu ;)

Nebenbei bemerkt: das Mooer Radar ist ein super Tool und total unterschätzt! Probiert es mal....
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