Tiefe

Produktion, Homerecording & PA

Tiefe

Beitragvon Diet » Mittwoch 26. April 2017, 00:32

Moin,

manchmal könnte man echt verzweifeln... :evil:

Bin mal wieder da gelandet in der Nacht.

[youtube]http://youtu.be/fZi7ooTZCio[/youtube]
Dies ist nur ein Youtube-Beispiel, das im Grunde totkomprimiert ist.
Aber sogar dort hört man schon die Tiefenstaffelung und diese Zusammengehörigkeit aller Instrumente.

Wenn man die CD hat und intensiv mit dem Homerecordermixermischerohr hört, dann wird man fast wahnsinnig.
Ich jedenfalls :?
Für mich ist das Stück mittlerweile eine Referenz in Sachen Tiefenstaffelung, ganz unabhängig davon, ob man den Song mag oder nicht.

Kann man so was hinkriegen als Homerecorder ohne den wahrscheinlich exzellenten Aufnahmeraum?

Es gibt so viele schön angepriesene Plugin-Räume/Reverbs...
nennt mir bitte einen, der das kann :?

Ich hab hier vieles, aber im direkten Vergleich kackt eigentlich alles erbarmungslos ab.
Letztendlich geht wohl dann doch nichts über echten Raum, oder? :kopf_kratz01:

Gruß Diet
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Re: Tiefe

Beitragvon Duke » Mittwoch 26. April 2017, 07:42

Hi Diet,

Tiefenstaffelung ist jetzt etwas mit dem ich mich noch nicht sooo sehr auseinandergesetzt habe. Bin da eher noch rudimentärer unterwegs.

Das Thema Reverb bewegt mich aber schon lange. :kopf_kratz01:

Hab mein Aha-Erlebnis mit dem UAD RMX 16 erlebt.
Vorher fand ich alle Räume, Hallprogramme, die ich ausprobiert habe immer eher suboptimal. I. d. R. hab ich die als künstlich und unpassend empfunden.

Beim RMX bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich nur dran denke. Kein Witz jetzt. Ich bin fast hinten rübergefahren, als ich den das 1. Mal benutzt habe.

Sicherlich subjektiv, genau wie bei Gitarren, muss ein Gerät halt den Nerv des Nutzers treffen. Ist bei mir definitiv der Fall. Gleiches gilt übrigens auch für das Echoplex von UAD - einfach göttlich.

Es klingt einfach alles sofort so, wie man es haben möchte - wie gesagt, zumindest für mich.
LG
Uwe
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Re: Tiefe

Beitragvon Batz Benzer » Mittwoch 26. April 2017, 07:56

Moin Diet,

ich habe mir das Stück gerade ganz in Ruhe angehört.

Interessanterweise habe ich einen anderen Eindruck von der Aufnahme: Für mich klingt es so, als wären lediglich die Drums mit einer räumlichen Tiefe versehen, vielleicht auch noch Bass und Klavier; der Rest wirkt für mich "aufgebügelt", künstlich addiert, wozu auch die "Sound Effects" wie das Plattenknistern und das starke Rechts-Panning der Gitarre beitragen.

In Hinsicht auf eine natürliche Räumlichkeit sind sind m.E. die alten Aufnahmen aus den 50ern und 60ern nicht zu toppen; ich freue mich jedes Mal, wenn dieser Klanggeist in der Jetztzeit - wie z.B. bei Tom Petty oder Dylan - auftaucht.

Letzten Endes mag ich beides gerne: Einerseits diese direkte Knalligkeit, dieses "in your face", wenn auf hörbare Räume verzichtet wird und das Klangbild frisch und direkt wirkt; andererseits den Raum, die Luft, die Atmospähre, die "klingende Stille zwischen den Tönen".

Zur Frage: Kann man ein solches Raumerlebnis künstlich herstellen? - Ich schätze schon. Man muss es eben auch wollen, und da stellt sich die Frage: Warum nicht gleich einen guten Raum nehmen...?

Sagen wir mal: Weil man es sich als Homerecorder nicht leisten kann. Dann würde ich denselben Raum für jedes Instrument neu programmieren, so dass jedes Signal individuell im Raum positioniert ist.

Ob das dann genau so gut wird? - Ausprobieren! - Spannendes Projekt...!!! :thumbsup03:

Liebe Grüße,

Batz. :smoke01:
"Lennon was the soul of the Beatles, Harrison was the spirit, Paul was the heart, and Ringo was the drummer."

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Re: Tiefe

Beitragvon Batz Benzer » Mittwoch 26. April 2017, 08:14

PS: Warum habe ich nach mehrfachem Hören von "Arlington Girl" jetzt "Gravity" von John Mayer im Kopf...!??? :mrgreen:
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Beitragvon SilviaGold » Mittwoch 26. April 2017, 09:26

Ich habe das Stück 1mal gehört und habe die selben Gedanken wie Batz.

Als das Schlagzeug kam dachte ich das 1.mal so wirklich- "aus der Tiefe kommend".
Die anderen Instrumente , Percussion sind eher seitlich, Sounds werden hin und her ge"pennt" ( :lol: ).
Die Tauchen hier und da seicht auf. Ich bemerke links versetzt eine Gitarre am Amp im Raum.
Dann auch moderne Synth Effx.... und ja die Stimme ist recht trocken und erklingt nah am Mikro aus der Mitte.

Ich habe mir auch recht schnell gedankliche Vergleiche zu alten 50er 60er Jahre Aufnahmen gemacht, als noch komplett im Raum aufgenommen wurde, wo der dadurch auch insgesamt zusammenhängender wirkt.

Ich denke es kommt gar nicht so stark auf das Hallplugin an, sondern man erzeugt die Tiefe ja durch Lautstärkestaffelung und Panning... wo man etwas Hall zugeben kann.

Dazu braucht man aber auch viel Erfahrung, gute Dynamische Soundanlage, Eq, Compressoren und vor allem die gute Abhöre.
Ich weiss allerdings nicht was wichtiger ist ...ein gutes Vorstellungsvermögen oder die Technik....Phasenschweinereien etc zu beherrschen.

Die ganz megateuren Geräte der großen Studios haben da wohl durchaus einen Anteil ...neben den Soundengineers!

Der Ansatz ...direkt gute Aufnahmen im echten Raum zu machen, wie damals ist wohl der Beste. Ja das klingt dann anders als diese modernen Spährischen Breitwandaufnahmen.

Sicher das kann Spass machen sich damit zu beschäftigen...( Mein Pc hat ja leider den Geist aufgegeben)
Allerdings bleibt die gute musikalische Performance und der Song an sich das wirkliche Wichtige.
Den Sound einzufangen bleibt eine Kunst für sich... da muss man auch schon echt eintauchen ins Recording...
Ich möchte Dich nicht entmutigen Diet ..das sind nur meine persönlichen tiefschwarzen Gedanken dazu :D

LG Andrea
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Re: Tiefe

Beitragvon FretNoize » Mittwoch 26. April 2017, 09:36

Eine gute und eine schlechte Nachricht. Ja, das kann man auch ohne guten Raum. Die schlechte: Wir können es vermutlich nicht.

Ich vermute extrem gepannte (entschuldige das denglisch) Originalsignale, deren Hallsignale auf die andere Seite gepannt sind, und zwar nur ganz kurze First Reflections. Das sollte sich mit vielen Hallsimulationen machen lassen, insbesondere mit Faltungshall mit Impulsantworten von kleinen Räumen. Cubase Bordmittel können das, aaaaber man muß genau wissen, was man tut. Ist wie mit dem Croissant backen. Die Zutaten sind nix besonderes, aber entscheidend ist, wie man es macht. In diesem Fall ist das ausfeilen von Pre-Delay und Mischungsverhältnis in Verbindung mit dem Panning.

Was Batz sagt: "Dann würde ich denselben Raum für jedes Instrument neu programmieren, so dass jedes Signal individuell im Raum positioniert ist.", dazu fällt mir der Hofa-Hall ein, da kann man die Position im Raum einstellen. Gibts auch bei anderen Hallprogrammen.

Das wäre mal ein interessantes Testfeld. Mal schauen beim nächsten Song.
Aloha,
Holger

Ich kann zwar nichts Sachdienliches zu irgendeinem Thema beitragen, aber ein bisschen Verwirrung geht immer.
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Re: Tiefe

Beitragvon partscaster » Mittwoch 26. April 2017, 10:16

Da es sehr viel elektronische Musik gibt, die auch mit solch einer Tiefe daherkommt, ist der Aufnahmeraum IMO zweitrangig. Wie so oft ist größtenteils Können der wichtigste Faktor. Eine richtig schöne Tiefenstaffelung beherrschen aber auch wirklich nur sehr, sehr wenige Heimaufnehmer. Das ist auch etwas an dem Profis lange zu knabbern haben. Man benötigt u.a. sehr viel Wissen im Bedienen seiner Zeit-basierten Effekte. Das kann man nicht nur lernen, sondern muss es auch viel üben.

Und wie Andrea schon sagt: Song und Arrangement müssen auch die richtige Grundlage bieten. Ebenso die gewählten Instrumente und Klänge. Alles muss wie in einem Uhrwerk ineinander greifen und nichts darf sich im Weg stehen. Das ist die, für mich immer wieder faszinierende, Mischung aus Können und Kunst.

Ich habe es schon als Kind geliebt mit Kopfhörern Musik zu hören und diese ganzen feinen Details zu entdecken. Und ich höre Musik zu 95% auf meinen Nahfeldmonitoren, weil ich da so schön mittendrin sitze und auch da die Details wunderbar herausgestellt werden. Bei besonders toll gemischten Platten gerate ich jedesmal aufs Neue in Verzückung.
In diesem Moment z.B. läuft hier gerade Jackson Brownes Looking East-Album, welches für mich eine absolute Referenz in allen Belangen darstellt. Man kann jedes einzelne auftreffen des Plektrums auf die Saiten hören, aber trotzdem klingt nichts analytisch.

Gutes Equipment hilft auch hier ganz sicher mit, aber es ist auch hier wieder nur Werkzeug.

Grüße
Michael
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Re: Tiefe

Beitragvon Diet » Mittwoch 26. April 2017, 10:19

FretNoize hat geschrieben:Eine gute und eine schlechte Nachricht. Ja, das kann man auch ohne guten Raum. Die schlechte: Wir können es vermutlich nicht.


Moin,

ja, das ist es wohl leider :? :D

Wenn ich mixe und mische, dann ist das Hantieren mit der Räumlichkeit für mich immer das wichtigste.
Panning, Pre-Delays, Hallanteil bzw. Intensität und die Lautstärke der einzelnen Instrumente und dadurch deren Position.
Erst einzeln und dann werde ich meist noch kirre beim Raum für den gesamten Mix.
Damit verbringe ich immer am meisten Zeit, deutlich mehr als mit dem Equalizing und dem Komprimieren.

Im großen und ganzen bin ich damit ja auch ganz zufrieden. Aber dann gibt es die Momente mit
genialen Studioaufnahmen, da wird mir dann schmerzlich klar, dass da noch mehr als deutlich Luft nach oben ist :evil:

Aber es gibt zum Glück auch öfter mal das Gegenteil :banana01:
So mancher Klassiker klingt für mich eigentlich richtig sch....
und ist trotzdem geil.
Und das beruhigt mich dann wieder :D ;)

Und außerdem spornt das ja auch an und das ist gut so.

Gruß Diet
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Re: Tiefe

Beitragvon Butterkräm » Mittwoch 26. April 2017, 11:09

Sehr interessant! :thumbs:
SAYEE ist Geschichte...!

Jetzt ist JETZTER:
https://youtu.be/VNsS6tfkrzk
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Re: Tiefe

Beitragvon Ingolf » Mittwoch 26. April 2017, 12:47

Ah, das ist mein momentanes persönliches Lieblingsthema, in das ich gerade lerntheoretisch und mit viel eigenem Versuch und Irrtum selbst vertieft bin. :)

Zu einer gekonnten und komplexen Tiefenstaffelung ist zu sagen, daß man in der Tat mit vielen unterschiedlichen Hallanteilen arbeiten muß, und zwar nicht nur derselbe Hall auf einem Bus für alle Instrumente in unterschiedlicher Send- Intensität, sondern unterschiedlich klingenden Hall auf vielen verschiedenen Bussen, unterschiedliche Pre- Delay- Seiten usw.
Räume sind außerordentlich komplexe Dinge, und ebenso sind Signalquellen in Räumen ebenso außerordentlich komplex.

Marc Mozart (www.mixedbymarcmozart.com), dessen Buch "Your Mix Sucks" ( :) ) ich sehr empfehlen kann, arbeitet z.B. mit 6 allgemeinen Reverb- Bussen, wobei die Hallgeräte (der Plugin- Hersteller ist eher zweitrangig hier) alle unterschiedlich eingestellt sind.
Hinzu kommt, daß er seine Drums auf einen Sub-Bus schickt, der alleine nochmal 13 unterschiedliche Reverbs anfährt.
Als wäre das noch nicht genug, gibts einen 'Snare- Reverb' - Bus, der nochmals, nur für die Snare allein, 3 unterschiedliche Reverbs bereithält.
Für Vocals kommen auch nochmal 10 zusätzliche Reverbs dazu, und last but not least nochmal 7 zusätzliche Neben- Reverbs.
Das macht knapp 40 unterschiedliche Reverbs.
Sich seine Templates mit diesen Reverb- Bussen (aber auch den anderen FX- Bussen) mal in seine DAW zu laden und mal damit zu mischen, ist äußerst lehrreich, auch wenn man natürlich nicht alles genau so machen muß wie er.

Ich habe für mich persönlich das Fazit gezogen: wenn es einfach nur nach "weniger ist mehr" klingen soll, muß ein ganz schöner Aufwand getrieben werden.
Natürlich erreicht man diese Ergebnisse auch mit einem gut klingenden (nicht zu kleinen) Raum und umfangreicher Mikrofonierung. Hier ist der Aufwand in der Summe jedoch nicht geringer. Um die Komplexität einer guten Raumakustik gut einzufangen, braucht es halt sehr viel unterschiedlichen Hall.
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