Irgendjemand Bigband?

Der tut nix! Der will nur üben!

Irgendjemand Bigband?

Beitragvon M. L. Schwan » Sonntag 8. Juli 2018, 17:02

Hi,
ich überlege mir evtl. nebenbei in eine Bigband einzusteigen.
War von Euch schon jemand in dieser Richtung tätig und kann von seinen Erfahrungen berichten?
Viele Grüße
- Der Schwan -
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Re: Irgendjemand Bigband?

Beitragvon Duke » Sonntag 8. Juli 2018, 18:06

Hab das vor etlichen Jahren mal gemacht, als Aushilfe.

Sicherlich eine gute Übung, um sich mit Noten, Jazzakkorden, -standards etc. auseinanderzusetzen.

Unterm Strich finde ich es (also für mich) eher langweilig.
Komme da in meiner Umgebung auch bei den genannten Themen deutlich weiter und mir es dann doch spielerisch eher zu eng gesteckt aber dennoch zeitaufwendig.

Bei einer Band im Stil von "Roomful of Blues" würde ich das dann wohl anders sehen. Sowas gibt / gab es aber nur ein Mal...
LG
Uwe
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Re: Irgendjemand Bigband?

Beitragvon Pfaelzers KSM » Sonntag 8. Juli 2018, 18:43

Eine gute Big Band kann unheimlich viel Spass machen, nicht so sehr gitarristisch, aber diesen fette Sound und Groove hat man mit keiner anderen Formation, das fand (und finde) ich immer extrem geil. Eine schlechte Bigband kann aber auch schnell langweilig werden, wenn die Proben eher zur Beseitigung der spieltechnischen Unzulänglichkeiten dienen als des Zusammensetzen von schönen mehrstimmigen Sätzen.

Auf jeden Fall sollte man Akkorde (und zwar 4 bis 5 Klänge, darunter auch diminished etc.) vom Blatt spielen können, 1-3-7-Voicings etc. sind da sehr hilfreich. Noten erkennen hilft auch, Tabulatur gibt es nie. Bei richtig guten Bigbands muss man auch Noten lesen (d.h. Blattspiel) können (da kann die Audition für Nichtnotisten arg peinlich werden)...und auf jeden Fall sollte man ein gutes Timing und eine Portion Swing mitbringen.

Ich persönlich habe nirgendswo soviel gelernt wie beim Bigbandspielen, vor allem was Begleitung und Blattspiel angeht. Und richtig gute Bigbands spielen eben nicht nur Standards, sondern auch fusionistische Arrangements, da sind dann auch 2 Solochori drin ;)
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Re: Irgendjemand Bigband?

Beitragvon OhNoNoNo » Sonntag 8. Juli 2018, 20:44

M. L. Schwan hat geschrieben:Hi,
ich überlege mir evtl. nebenbei in eine Bigband einzusteigen.
War von Euch schon jemand in dieser Richtung tätig und kann von seinen Erfahrungen berichten?

Ja, hallo, ich kann berichten.
Ich bin seit ein paar Monaten Gitarrist in einer Jazzband, die mal eine Bigband werden möchte.
Kann voll bestätigen, was der Herr Pfälzer so schön beschrieben hat.

Von vorne:
Lange habe ich in Bands herumgeturnt. Letztendlich wurden immer die üblichen Verdächtigen Titel gespielt, was mich dann aufgrund des meist geringen Entwicklungspotentials auf die Dauer reichlich abgetörnt hat.
Vor einem Jahr dann ins Basslager gewechselt und in einer gemischten Band zusammen mit auch klassischen Instrumenten Neues entdeckt.

Jazzgitarre wollte ich schon immer mal, habe bei Ausschreibungen von Bigbands angefragt, bin aber mehrfach als 'Rocker' abgewiesen worden.
Vor ein paar Monaten hat es geklappt. Ein namhafter Bandleader hat mir die Möglichkeit in einem seiner Schülerprojekte (55+ ;) ) gegeben.
Ich bin Notenunkundig aber nicht ganz befreit von Harmonielehrewissen. Vor 10 Jahren hatte ich schon einmal Unterricht bei einem Jazzer. Davon ist noch so Einiges hängengeblieben. Also ran an den Speck ...
Das erste Arrangement war erschlagend. Mit versteinerter Mine saß ich davor ohne zu spielen. So ein Schais. Ich geb' auf.
Nein, habe ich nicht, denn ich verliere nicht gerne. Nächste Probe harnäckig nachgefragt. Diese Klavierarrangements sind ja nicht immer Gitarrenkompatibel. Da hat mir der Leader dann die passenden spielbaren Akkorde aufgezeigt und es ging ein wenig.
Mit der Zeit dann immer besser. Mittlerweile spielen wir so 8 Jazzstücke und ich kann so halbwegs bis ganz gut mithalten mit den schnellen Akkordwechseln. Mehralsdreiklänge (ohne die läuft garnix) funktionieren auch ganz gut. Habe unglaublich schnell dazugelernt.
Improvisatorisches Solieren mit den ständigen Tonartwechseln funktioniert auch ganz gut. Das Ohr entwickelt sich. Oft muß ich noch eine Runde dranhängen, weil immer nur Gebläsesolis sind schon ermüdend. Da ist so eine Gitarre schon deutlich vielseitiger ... ;)

Natürlich frage ich mich, wie lange die es noch mit mir aushalten. Wo ich nicht vom Blatt spiele, dauert halt alles länger. Auch den richtigen Groove zu finden ist nicht so einfach. Bislang darf ich noch bleiben, was für mich eine immense Vorbereitung in der Freizeit bedeutet.
Es ist aber schön eine deutliche Weiterentwicklung einzufahren.

Natürlich werde ich von den Bläsern als Rhythmusfuzzie auch belächelt. Wobei ich Gitarrespielen mit all den zugehörigen Facetten durchaus als anspruchsvoller sehe, als immer nur auf einer Tonleiter herumzublasen. Meine Stunde wird aber kommen ... :mrgreen:

Achja, mittlerweile habe ich mitbekommen, dass Jazzgitarristen für Bigbands wohl nur sehr schwer zu bekommen sind. Zumindest im Hobbybereich. Ich bin für die aktuelle Möglichkeit dankbar. Bis zu meinem Rausschmiß (vielleicht irgendwann). :undwech:

Wer es sich zutraut, sollte das ruhig mal machen. Raus aus der langweiligen Top40-Routine ... :thumbs:
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Re: Irgendjemand Bigband?

Beitragvon M. L. Schwan » Mittwoch 11. Juli 2018, 17:23

Hallo,
danke für Eure Einschätzungen. Ich hadere noch etwa mit mir, aber ich denke ich werde es nicht tun.
Ich vermisse was ich in meinen Bands so schätze: Die Freiheit!
Viele Grüße
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Re: Irgendjemand Bigband?

Beitragvon OhNoNoNo » Mittwoch 11. Juli 2018, 17:54

Klar, kann ich verstehen. Vor neuen Dingen schreckt jeder erst einmal zurück.
Es gibt viel zu entdecken.

Bedenke: Durch die (punktuelle) Aufgabe geliebter Freiheiten, gewinnst du neue/andere Freiheiten hinzu. :idea:
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Re: Irgendjemand Bigband?

Beitragvon Pfaelzers KSM » Mittwoch 11. Juli 2018, 18:59

Sagen wirs mal so: Wenn du Swing magst und den BigBand-Sound geil findest, dann mach es. Sonst eher nicht, denn ohne musikalische Motivation lohnt es die Arbeit nicht. Nur meine 3 Swingachtel....
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