Dur/Moll/Pentatonik

Die dunkle Seite der Macht

Dur/Moll/Pentatonik

Beitragvon Karsten » Dienstag 14. Juli 2015, 07:35

...ich steh gerade aufm Schlauch, wahrscheinlich Gitarrenuntericht erste Stunde... :tuete01:
1.Teil der Frage:

Ich spiele:
Blues über A-Dur ; D-Dur ; E-Dur
aber Soli über
A-Moll Pentatonik
...ähh wie passt das zusammen, oder lege ich da was falsch aus? Oder geht die Pentatonik für Moll u. Dur gleichermaßen, warum heist sie dann A-Moll? :mad01:
Benutzeravatar
Karsten
 
Beiträge: 135
Registriert: Mittwoch 22. Oktober 2014, 06:15

Re: Dur/Moll/Pentatonik

Beitragvon Ugorr » Dienstag 14. Juli 2015, 07:55

Moin.
Deine Akkorde würden auf A-Dur hinweisen. Die "passende" Mollparalle wäre Fis Moll. Du könntest also Deinen Fingersatz verschieben. zB der Fingersatz der bei AMoll im 5. Bund beginnt, schiebst Du auf den 2. Bund.
Man kann aber durchaus auch in der Amollpentatonik bleiben und eben die gemeinsamen "passenden" Töne als Zieltöne nutzen.

Um zu wissen welche Moll und Durarten die Parallelen sind guckt man sich den Quintenzirkel an oder die sechste Stufe der Durtonleiter.
Wenn Du die Durtonart kennst, kannst Du auf der Gitarre auch einfach den Grundton 3 Bünde tiefer schieben. (s.o.)
Aber ob das jetzt Blueskorrekt ist, weiß ich nicht. Ist nicht mein Genre.

Was ich gerne mal mache: Veschieben der Pentatonik um etwas Jazziger zu werden und Outside zu spielen. Ein Beispiel: G7 Akkord als Grundlage und da drüber die AMollPenta. Das hat dann was von "SUS" Sound. Es hilft natürlich auch wieder inside spielen zu können, aber so ein Ausflug finde ich immer spannend.
Gruß an die anonymen Pentatoniker
Ugorr
Ugorr
 

Re: Dur/Moll/Pentatonik

Beitragvon muelrich » Dienstag 14. Juli 2015, 08:26

Ugorr hat geschrieben:
Was ich gerne mal mache: Veschieben der Pentatonik um etwas Jazziger zu werden und Outside zu spielen. Ein Beispiel: G7 Akkord als Grundlage und da drüber die AMollPenta. Das hat dann was von "SUS" Sound. Es hilft natürlich auch wieder inside spielen zu können, aber so ein Ausflug finde ich immer spannend.
Gruß an die anonymen Pentatoniker
Ugorr


Das kannst Du Dir natürlich so merken.

G7 wäre ja mixolydisch. Ist das gleiche wie Amoll (also: hat die gleichen Töne). Amoll Penta hat einfach nur 2 Töne weniger.

Das mit der Moll-Penta üben Blues hab ich auch nie verstanden *GRINS*
Benutzeravatar
muelrich
 
Beiträge: 694
Registriert: Mittwoch 22. Oktober 2014, 07:14

Re: Dur/Moll/Pentatonik

Beitragvon Der60er » Dienstag 14. Juli 2015, 08:45

Dejavu hat geschrieben:...ich steh gerade aufm Schlauch...........
Blues über A-Dur ; D-Dur ; E-Dur
aber Soli über
A-Moll Pentatonik
............


Ich beschäftige mich grad intensivst mit diesem Thema.
Prinzipiell seh ich das so, das, über I. IV. V. Stufe (bei dir A D E ) das Soli komplett über Am Penta zu spielen, man schon sehr auf die Töne achten muss, die man spielt. Nicht alle Am Pentatöne passen da.

Das Einfachste ist - so wie der Vorredner schon schrieb - bei A dur die Fis Moll Penta ( 3 Bünde unter A Dur Bund), bei D dur Bmoll Penta usw.

Oder - womit ich mich grad beschäftige - verquicken mit den Kirchentonleitern. Ein sehr weites, verwirrend anmutendes Feld.
Aber wenn man da mit kleinsten Schritten enorme tonale Fortschritte sich rausarbeitet, kriegt man nicht genug davon.
Früher war ich unentschlossen, heute bin ich mir da nicht mehr so sicher.

Grüße vom Wolf
Benutzeravatar
Der60er
 
Beiträge: 637
Registriert: Donnerstag 16. Oktober 2014, 20:37

Re: Dur/Moll/Pentatonik

Beitragvon Batz Benzer » Dienstag 14. Juli 2015, 09:00

Hi Wolf,

wären wir ganz normal in Dur, wäre Fis natürlich die richtige Antwort bei A/D/E.

Sind wir aber nicht; der klassische 12-Bar-Blues ist eben nicht Dur, auch wenn die Akkorde dies nahe legen; rechnerisch ist das Moll.

Eine mögliche Erklärung innerhalb der Musiktheorie: Alle drei Akkorde sind "borrowed chords" und eigentlich Moll-Akkorde.

Eine Erklärung außerhalb der Musiktheorie: https://de.wikibooks.org/wiki/Gitarre:_ ... k_im_Blues

Lieben Gruß,

Batz. :smoke01:
"Lennon was the soul of the Beatles, Harrison was the spirit, Paul was the heart, and Ringo was the drummer."

- George Martin
Benutzeravatar
Batz Benzer
 
Beiträge: 5853
Registriert: Montag 13. Oktober 2014, 17:18
Wohnort: Sonic Marshall City

Re: Dur/Moll/Pentatonik

Beitragvon SilviaGold » Dienstag 14. Juli 2015, 09:04

Hier hat unser lieber Kollege gestern ein umfassendes Video bei Facebook geteilt! am Ende geht er etwas auf den Blues ein.
Da wird EINIGES!!! in 1 Video erklärt. Das lohnt sich aber schon mal über ein paar Wochen nachzuvollziehen.

http://youtu.be/X3buTriLr9I

Der Blues bleibt eine große Ausnahme in der MusikTHEORIE. Aber praktisch funktionierts eben :D
Man kann über Blues alles spielen auch zB komplett in Dur.

Doch bitte lass die Theorie nur im Hintergrund! Denn Dein Gehör soll Deine Melodien führen
So nimm die Moll oder Dur Skalen nur als Möglichkeit.

Anregung für irgendwann:
Spiele für einen Fröhlichen Blues mal die ersten 4 Takte Dur Pentatonik und die anderen Takte Moll Pentatonik.
Spiele für einen Traurigen Blues alle Takte in Moll



ABER: zur Frage ob Dur und Moll Penta gleich gehen - lass Dir das nochmal zu Verständnis genauer erklären - denn das ist mMm ein ganz wichtiger Schlüsssel zum einfachen und freien musizieren. Da hatte ich, und wohl viele andere lange ein Problem mit - diese EINFACHEN Unterschied klar zu kriegen und praktisch nachzuvollziehen.

Das würde ich aber nicht unbedingt am Blues erklären sondern Zb mit 1 Akkord:
(Wähle Beispiel A oder E)


Beispiel E:
Spiele mal die (vonDir gedachte) Em Pentatonik in 1. Lage ab leere E Saite über einen Em Akkord - dann beginne also beim Ton E und spiele zu e [ klingt denke ich bekannt mollig ]

Spiele nun mal die (vonDir gedachte) Em Pentatonk im 1. Lage über einen Em Akkord - aber beginne jetzt beim Ton G (3.Bund) und spiele zu g [ klingts irgendwie anders? - durch Betonung und anderen kleinen Melodien kannst du jetzt dem Moll Akkord einen anderen Charakter "aufdrücken" - einen fröhlicheren ] was ist passiert?:

Nun hast du im letzen Beispiel die Em Pentatonik vom 2. Ton der Leiter angefangen und damit nicht wie gedacht Em Pentatonik angewendet sondern sie genaugenommen als G -Dur Pentatonik benutzt. ;) würdest du jetzt den Moll Akkord gegen seinen (man nennt das parallelen Dur Akkord auswechseln ( hier den den G - Dur) dann passt das wir angegossen Dur Penta über Dur Akkord ;)
Em = G Dur = Em

Ja die besteht aus denselben Tönen aber die Tonabstände der aufeinaderfolgenden Töne haben sich verschoben. So nehmen wir die "Leiter" anders wahr. Die "Sprossenabstände haben dadurch jeweils eine andere Abfolfge.

oder am Beispiel A:
Spiele mal die (vonDir gedachte) Am Pentatonik (in der Lage 5. Bund) über einen Am Akkord - beginne also beim Ton A und spiele zu a [ klingt denke ich bekannt mollig ]
Spiele mal die (vonDir gedachte) Am Pentatonk (in der Lage 5. Bund) über einen Am Akkord - aber beginne jetzt beim Ton C (7. Bund) und spiele zu c [ klingts irgendwie anders? - durch Betonung und anderen kleinen Melodien kannst du jetzt dem Moll Akkord einen anderen Charakter "aufdrücken" - einen fröhlicheren ] was ist passiert?:

Nun hast du im letzen Beispiel die Am Pentatonik vom 2. Ton der Leiter angefangen und damit nicht wie gedacht genaugenommen nicht Am Pentatonik angewendet: sondern sie als C -Dur Penta benutzt. ;) würdest du jetzt den Moll Akkord gegen seinen (man nennt das parallelen Dur Akkord auswechseln ( hier den den C - Dur) dann passt das wir angegossen Dur Penta über Dur Akkord ;)
Am = C Dur = Am

MIt einem Griffpattern in einer (gleicher) Lage erggeben sich zwei Pentatoniken! Dur und Moll Penta.
Sie klingen grundlegend anders. Dadurch das du jeweils den einen oder anderen Ton zum Grundton erklärtst ergeben sich:
in der Abfolge andere Tonanstände


Spielerisch übst du das am Besten wenn du von deinem ausgewählten Grundton losspieltst und dort irgendwie immer wieder zur Ruhe kommst.
Übst/Spielst du dabei Dur Penta über Dur Akkord festigen sich fröhliche Melodien.
Übst/Spielst du dabei Moll Penta über Moll Akkord festigen sich tragische/traurige Melodien.
Tip: Entwickle erstmal kleine Motive aus nur dem Grundton und wenig anderen Töne der Leiter.

Wenn du das so übst kommts in die Finger und Gehör!
Probiers mal aus!
LG Andrea







http://youtu.be/X3buTriLr9I
Benutzeravatar
SilviaGold
 
Beiträge: 3113
Registriert: Donnerstag 16. Oktober 2014, 16:29
Wohnort: Bochum

Re: Dur/Moll/Pentatonik

Beitragvon Ugorr » Dienstag 14. Juli 2015, 09:52

Moin.
Ich muss mal gestehen: Ich mag keinen Blues. Spiele den auch nie bis selten. Eigentlich hätte ich also die Finger still halten sollen. ;)
Die "borrowed chords" kenne ich eher aus der Klassik(zB picardische Terz).
Aber ich bin da auch anders geschult als Posaunist.
Was ich nochmal betonen möchte: Was gut klingt gilt. Fernab von jeder Musiktheorie.
Und sich ein Backing basteln/runterladen und dazu spielen hilft für die Praxis bestimmt mehr als jedes Theoriebuch wälzen.
Werde mir das verlinkte Video mal reinziehen bei Gelegenheit.
Gruß
Ugorr
Ugorr
 

Re: Dur/Moll/Pentatonik

Beitragvon Batz Benzer » Dienstag 14. Juli 2015, 10:10

Ugorr hat geschrieben:Was ich nochmal betonen möchte: Was gut klingt gilt.


:thumbsup03:

Ugorr hat geschrieben:Fernab von jeder Musiktheorie.


Das sehe ich insofern anders als es m.E. Aufgabe der Musiktheorie ist, zu erklären, warum das gut klingt. ;)

Ich hatte das andersorts schon einmal geschrieben: Die Musikwissenschaft ist eine der wenigen Wissenschaften, die keine eigenen Inhalte generieren, sondern zu erklären hat, was wir Musiker machen. Sie gibt keine Regeln vor, sie versucht unser Treiben zu beschreiben.

Daher ist - was ich hier niemandem unterstellen mag! - der gefühlte Minderwertigkewitskomplex des theoretisch ungebildeten Musikers gegenüber der Musikwissenschaft absolut unangebracht: Wenn überhaupt ist in diesem Kräfteverhältnis der Musiker der Chef.

Für mich ist das kein Gegensatz, keine Frage von "Entweder/Oder"; ich finde es spannend, "das Gerüst dahinter" zu erblicken. Auch kann es mir z.B. beim Kompnieren behilflich sein und inspirierend wirken.

Lieben Gruß,

Batz. :smoke01:
"Lennon was the soul of the Beatles, Harrison was the spirit, Paul was the heart, and Ringo was the drummer."

- George Martin
Benutzeravatar
Batz Benzer
 
Beiträge: 5853
Registriert: Montag 13. Oktober 2014, 17:18
Wohnort: Sonic Marshall City

Re: Dur/Moll/Pentatonik

Beitragvon SilviaGold » Dienstag 14. Juli 2015, 10:34

Dejavu hat geschrieben:...ich steh gerade aufm Schlauch, wahrscheinlich Gitarrenuntericht erste Stunde... :tuete01:
1.Teil der Frage:

Ich spiele:
Blues über A-Dur ; D-Dur ; E-Dur
aber Soli über
A-Moll Pentatonik
...ähh wie passt das zusammen, oder lege ich da was falsch aus? Oder geht die Pentatonik für Moll u. Dur gleichermaßen, warum heist sie dann A-Moll? :mad01:


Nochmal grundsätzlich:

Blues besteht ja grundsätzlich eher aus 3 Dominatseptakkorden A7 D7 E7 ! (Das sind Dur-Vierklänge mit kleiner Septime - eine Mollpenta hat auch die kleine Septime)

Du sollst? also jetzt zu 3 Dur Akkorden spielen?

Benuzt du die Am Pentatonik : dann setzt du jetzt zu jedem dieser Akkordtöne immer oder immer "nur" :) die Töne:
a, c, d , e, g, entgegen. Dadurch entsteht dann zu den 3 Akkorden mehr oder weniger Spannung / Reibung. (Gleichklang / oder Gegenklang)

Im Blues ist es so, das grade diese nicht harmonische Reibung den urtümlichen Klang mitbringt!
Diese Musik lebst ja zb davon kleine Bendings zu machen die Spannung erzeugen. Besonders auch wenn die Mollterz durch Bending zu Dur wird wird. Sowas dürfte Musiktheoretisch gar nicht "funktionieren" :lol: bzw. soll nicht sein! Und bloss nicht noch ein verbotener Tritonus .

Also deshalb - im besonderen lebt im Blues Deine Freiheit dich musikalisch so auszudrücken wie DU magst! - nicht wie andere sagen!

PS : Könnte es sein: das du das durch diese Übung lernen sollst? ;)
Benutzeravatar
SilviaGold
 
Beiträge: 3113
Registriert: Donnerstag 16. Oktober 2014, 16:29
Wohnort: Bochum

Re: Dur/Moll/Pentatonik

Beitragvon Ugorr » Dienstag 14. Juli 2015, 10:45

Moin.
Ich bin da ganz bei Dir. Nur habe ich desöfteren mit Musikern zu tun, die so verhaftet in ihrer Musiktheorie sind, das es mich manchmal graust.
Zuviel Denken, wenig Hinhören und noch weniger Spüren - deshalb auch mein Hinweis das Vernunfthirn für die Theorie mal auszulassen und rumzuprobieren.

Und ich treffe/traf solche Musiker immer auch im Blueskontext. "Realschullehrerbluesbands", die neben dutzenden Biographien von Blueshelden vermutlich alles über Blues kennen und wissen aber eines nicht können: Gefühlvoll und groovend mal ein Stück spielen.

Disclaimer: Ich habe weder was gegen Realschullehrer noch gegen Bluesbands
Zur "Entschuldigung" des OffTopics, mein Lieblingsbluesbeitrag EVER: http://podster.de/episode/950572

Gruß
Ugorr
Ugorr
 

Nächste

Zurück zu Musiktheorie

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

x