Allgemeine Gedanken zu Musiktheorie & musikalischer Praxis

Die dunkle Seite der Macht
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Batz Benzer
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Re: Allgemeine Gedanken zu Musiktheorie & musikalischer Prax

Beitrag von Batz Benzer » Mittwoch 6. Februar 2019, 13:35

Danke, Diet! :prost:

Und bevor es da eine neue Miss Verständnis gibt, sage ich es lieber noch einmal: Alle Musiker sind nicht gleich, aber gleich viel wert! Es gibt keinen "besseren" oder "schlechteren" Zugang; es entscheidet ganz alleine das Individuum, was es will und braucht.

Mir geht es genau darum, dass sich NIEMAND minderwetig fühlen soll und auch keinen falschen Respekt Theoretikern gegenüber hat, und dass diese Haltungen keinen automatischen Verteidigungsreflex auslösen sollten.

(Als Gegengewicht könnte man böse in die andere Richtung sagen: Wenn Musikwissenschaftler kreativ genug wären, müssten sie nicht nur darüber reden. Paff, schon ist die Minderwertigkeit umgedreht. Ist aber so wie aggressiver Feminismus, schafft keine Mitte, keine Geleichberechtigung zwischen Mann und Frau, sondern vertieft den Graben in die andere Richtung. Ich will weg von Gräben, Komplexen, Reflexen und Vorurteilen).

Es gibt für alles unzähliche Beispiele, also für reine Bauchmusiker, reine Theoretiker und alle dazwischen, die sicherlich die Mehrheit stellen. Und sie sind alle gleich wichtig und wertvoll.

Spannend wird es dort, wo all diese Menschen mit ihren unterschiedlichen Zugängen einander zuhören und vielleicht "nur" die Begeisterung des anderen spüren oder sich bestenfalls was beim Gegenüber abholen können, was auch sie bereichert.

Bild

Nicht gegeneinander, sondern miteinander reden schafft tieferes Verständnis!

Insofern bin ich da sehr bei Dir, Diet, dass man dieses Phänomen in alle Bereiche des Lebens übertragen kann.

Lieben Gruß,

Batz.

PS: Ich selbst sehe mich mehr oder minder in der Mitte (was wohl viele tun :lol: ). Ich lasse musikalische Gedanken zu und nutze mein Wissen, sie in meinem Sinne zu formen und zusammen zu tragen. Mich kickt das enorm, wenn Gefühl und Verstand, linke wie rechte Gehirnhälfte, gleichermaßen befeuert werden und sich in der Synthese ergänzend finden. Das ist für mich, wie Songwritung im Allgemeinen, pure Leidenschaft, besser als Sex! :mrgreen:
Diet hat geschrieben:Ich bin übrigens ganz klar Bauchmusiker :D
Als solcher war ich immer so bequem, mir nur so viel Theorie anzueignen, wie ich sie gerade unbedingt brauchte.
Das coole daran ist, dass sich so stressfrei und mit Spaß langsam immer mehr ansammelt :D
So versteht sich mein Unterricht, so bin auch ich gewachsen. :thumbsup03:

Als Gitarrist bin ich jedoch reiner Funktionsmusiker: Ich kann nicht gut improvisieren, dafür aber erarbeiten, was eben mehr Zeit braucht. Außerdem fehlt mir das Vokabular, kann keine Songs und keine Licks auswendig, habe aber die Disziplin, mir solche Dinge auszudenken oder anzueignen und zu lernen.
"Lennon was the soul of the Beatles, Harrison was the spirit, Paul was the heart, and Ringo was the drummer."

- George Martin

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Wizard
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Re: Allgemeine Gedanken zu Musiktheorie & musikalischer Prax

Beitrag von Wizard » Mittwoch 6. Februar 2019, 13:41

Diet hat geschrieben:
Ich bin übrigens ganz klar Bauchmusiker :D
Als solcher war ich immer so bequem, mir nur so viel Theorie anzueignen, wie ich sie gerade unbedingt brauchte.
Das coole daran ist, dass sich so stressfrei und mit Spaß langsam immer mehr ansammelt :D
Das könnte ich geschrieben haben, weil's genauso bei mir ist.

Im übrigen kann ich Noten seit Jahrzehnten lesen und Musiktheorie ist für mich kein Buch mit sieben Siegeln, nur mal so erwähnt,
bin aber trotzdem wie du in erster Linie Bauchmensch/Bauchmusiker :thumbsup03:
Gruß Peter

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Armint
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Re: Allgemeine Gedanken zu Musiktheorie & musikalischer Prax

Beitrag von Armint » Mittwoch 6. Februar 2019, 14:43

Batz Benzer hat geschrieben:...
Jeder Musiker sollte selbst bestimmen, was er "braucht" und was nicht. Ich muss und will das nicht alles im Vorfeld wissen und verstehen, aber bisweilen interessiert es mich.

Daher auch mein Ansatz als Lehrer, Phänomene nicht im Vorfeld zu erklären, sondern darüber aufzuklären, wenn es Sinn macht oder gewünscht ist. ;) ...
Das meinte ich doch.
Ein Bass hat 4 Saiten. Alles andere ist Schnullibulli.
Gear: Gitarren und Bässe von u.a. Fender, Hagström, Höfner, MusicMan, PRS, Sandberg, Taylor, Tokai. Amps/Boxen von Basstown, Fender, Glockenklang, Roland.

Mintage
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Re: Allgemeine Gedanken zu Musiktheorie & musikalischer Prax

Beitrag von Mintage » Mittwoch 6. Februar 2019, 19:07

Moin,

das Gefühl der "Minderwertigkeit" kommt ja nur dann, wenn in der Nähe "Klassiker" oder "Jazzer" sind,
die halt gerne ihre vermeintliche theoretische Überlegenheit gegenüber den "freien RocknRollern" demonstrieren
wollen...!
Dies führt wiederum zu der Replik, das ohne Blattspiel selten hörbares zu vernehmen ist etc.pp - und so geht es seit
Dekaden !
( Gipfelte in Witzen wie: Arzt zum Jazz-Gitarristen: "Sie haben nur noch 3 Monate zu leben" -
Antwort Jazzgitarrist: "Oh mein Gott, wovon denn ?!?" )

Auf der Spitze war es, als Ende der 80er Satriani, Vai, Gilbert ihren Durchbruch hatten, und plötzlich alle nur
noch über Kirchentonarten fabulierten - und vor lauter phrygisch, mixolydisch, dorisch etc. vergaßen, lyrisch etwas
schönes anzubieten 8-)
Und wieder glaubte der normale RocknRoller, aus der Welt gefallen zu sein, da er das für Blues, Rock, Country ja
irgendwie nicht brauchte... oder doch ?!?

Mir geht es auch wie Batz, ein Song ist für mich sofort in jeder Tonart spielbar. Dafür brauchte ich aber auch
damals Unterricht, der mir diese harmonischen Zusammenhänge gut verdeutlichte (guter Lehrer damals !).

Und wenn man solistisch eine andere Ebene erreichen möchte, dann kommt man um Fingersätze nicht umhin,
da diese einem sonst buchstäblich im Wege stehen.

Im Prinzip ist diese Debatte eine typisch deutsche - im Ausland hatte ich unter Musikern diese Thematik
"wissender vs. unwissender Gitarrist" noch nie erlebt ;-)

Grüße
Rainer

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M. L. Schwan
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Re: Allgemeine Gedanken zu Musiktheorie & musikalischer Prax

Beitrag von M. L. Schwan » Mittwoch 6. Februar 2019, 19:32

Hallo zusammen,
ich persönlich finde es schon wichtig, sich mit Musiktheorie auseinanderzusetzen um mit anderen Musikern auf einer Augenhöhe diskutieren zu können und nicht Gefahr läuft sich vom Halbwissen von irgendwelchen Schwätzern unterbuttern zu lassen.

Aber für mich hat dieses Wissen eigentlich unter'm Strich wenig Einfluß auf meine musikalische Praxis. Außer eben, dass es oft hilft sich mit Musikern abzusprechen.
Das Beispiel mit der Tritonussubstitution bei Smoke on the water halte ich persönlich auch für sehr weit hergeholt und ich finde man braucht nicht versuchen alles mit Gewalt in ein Schema zu pressen.

Fest steht auch, dass man mit gutem Musiktheoriewissen sich beim Songwriting leichter tut (und wenn man nach Schema F vorgeht auch nicht mal dabei kreativ sein braucht :thumbsdown01: )
Viele Grüße
- Der Schwan -

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Re: Allgemeine Gedanken zu Musiktheorie & musikalischer Prax

Beitrag von Batz Benzer » Mittwoch 6. Februar 2019, 19:40

Findest Du? - Am Ende sollte mich meine musikalische Inspiration führen; da kann Wissen bisweilen in die verführerisch leichte Ecke (Schema F) leiten, finde ich.

Andererseits weiß ich dafür schneller, wo ich zu suchen habe; da haste völlig Recht! :prost:

Zum Smoke: Ist ja keine Gewalt, dass es eine Erklärung gibt; die ist eben einfach da. Man muss sich ja nicht dafür interessieren... aber dass DAS ikonische Lied der ersten Hard Rock-Generation was mit dem Teufelsintervall zu tun hat, finde ich sogar ausgesprochen charmant und plakativ. Auch wird mir mit einem Mal klar, warum die damals Erwachsenen das für Jaulerei gerhalten haben; die wenigsten sind dann doch mit den Freischütz groß geworden. :mrgreen:

Spannende Meinungen, spannende Diskussion: Vielen Dank Euch allen schon mal bis hierhin! :thumbsup03:
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Re: Allgemeine Gedanken zu Musiktheorie & musikalischer Prax

Beitrag von M. L. Schwan » Mittwoch 6. Februar 2019, 19:53

Batz Benzer hat geschrieben:Findest Du? - Am Ende sollte mich meine musikalische Inspiration führen; da kann Wissen bisweilen in die verführerisch leichte Ecke (Schema F) leiten, finde ich.

Andererseits weiß ich dafür schneller, wo ich zu suchen habe; da haste völlig Recht! :prost:
Falls das etwas misverständlich rübergekommen sein sollte - Natürlich hindert einen Musiktheoriewissen nicht daran kreativ zu sein, das liegt am Menschen :banana02:

Ich hab Musiker kennengelernt, die buchstäblich ausgerechnen was gut klingt. Aber auch solche, die mit ihren Ohren hören was gut klingt :afro:
Viele Grüße
- Der Schwan -

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Re: Allgemeine Gedanken zu Musiktheorie & musikalischer Prax

Beitrag von Wizard » Mittwoch 6. Februar 2019, 19:56

M. L. Schwan hat geschrieben: Das Beispiel mit der Tritonussubstitution bei Smoke on the water halte ich persönlich auch für sehr weit hergeholt und ich finde man braucht nicht versuchen alles mit Gewalt in ein Schema zu pressen.
Seh ich auch so, und ich glaube nicht (wirklich), dass R. Blackmore damals so weit gedacht hab. Aber wer weiß wer weiß :mrgreen:
Gruß Peter

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Re: Allgemeine Gedanken zu Musiktheorie & musikalischer Prax

Beitrag von Surfcaster » Mittwoch 6. Februar 2019, 20:16

O nein nicht falsch verstehen...


Klar geht eigentlich auch beides ohne das andere. Aber ich glaube schon das man durch etwas Theorie auch die Praxis (den Bauch) besser beherrscht. Man muss nicht alles wissen, aber wenn man sich am Ende besser z. B auf dem Griffbrett zurechtfinden kann, weil man es theoretisch verstanden hat hilft es schon.


Am Ende steht eh..... : Scheißegal, Hauptsache es groooooovt! :thumbsup03:

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Re: Allgemeine Gedanken zu Musiktheorie & musikalischer Prax

Beitrag von Batz Benzer » Mittwoch 6. Februar 2019, 20:19

Wizard hat geschrieben:
M. L. Schwan hat geschrieben: Das Beispiel mit der Tritonussubstitution bei Smoke on the water halte ich persönlich auch für sehr weit hergeholt und ich finde man braucht nicht versuchen alles mit Gewalt in ein Schema zu pressen.
Seh ich auch so, und ich glaube nicht (wirklich), dass R. Blackmore damals so weit gedacht hab. Aber wer weiß wer weiß :mrgreen:
Hat ja auch keiner behauptet. :prost:

Wenn schon, dann Jon Lord. :mrgreen:
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