Ein erstes Kurzreview zu der Staufer T-Caster

Besprechungen von getestetem Gitarren-Equipment

Ein erstes Kurzreview zu der Staufer T-Caster

Beitragvon telly45 » Freitag 11. Mai 2018, 14:21

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Vieles steht ja schon hier im Thread, insbesondere die Zutaten, aus denen André Waldenmaier dieses Kunstwerk gemixt hat. 3,6 kg purer HSS-Stratsound in einer Tele verpackt, dazu mit diesem (natürlich vor allem für mein persönliches Empfinden) affengeilen Design (ich muss das so sagen, weil ich es mir ja so ausgedacht habe ;) ).

Ich habe die Staufer jetzt schon einige Male in der Probe und auch live gespielt und sie hat meine Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Für mein Ohr hört sie sich mit den hervorragenden AVR-Singlecoils genauso an, wie eine HSS-Strat klingen soll. Hohl und kehlig am Hals, dabei niemals spitz in den Höhen, aber mit einer guten Portion Höhen und Offenheit gesegnet. Genau dieses Näseln und wieder ein wunderbarer Höhenanteil (viel besser als bei meiner Diego Strat) in der Zwischenposition mit dem mittleren SC. Die anderen drei Positionen haben nun immer den Barfuss Fandango Steg-HB im Spiel dabei. Der ist für mich immer noch eine Offenbarung als HB in einer Strat. Genug Dampf, kraftvolles Riffing, ausreichende und angenehme Höhen und ein mittlerer Output, der gerade mit etwas leistungsstärkeren SC (wie z.B. den AVR) bestens harmoniert. Dabei kann er wunderbare Leadlines singen oder eben sehr akzentuierte Riffs mit toller Saitentrennung abbilden. In der Splitposition hat André ihn parallel verschaltet, was ein angenehmeres Höhenbild bringt als ein reines Splitting. So kann man ihn tatsächlich auch im Solobetrieb nutzen, er bringt ein höhenreicheres, scharfes, aber nicht übertriebenes Klangbild ein, das sich besonders in crunchigen und verzerrten Sounds gut einsetzen lässt. In Kombination mit dem mittleren SC gibt es wie bei HSS gewohnt ein Klangbild, das sich dem klassischen Knopflern annähert, aber es nicht zu 100 % ersetzen kann. Dennoch setze ich diesen Sound viel ein, sowohl mit parallel geschaltetem wie vollem HB, er gefällt mir und die Authenzität ist für mich ausreichend. Die mittlere Schalterstellung bringt den HB dann mit dem Hals-SC in Kombination. Auch hier ein wunderbarer, eigenständiger Sound, der etwas an die Mittelstellung einer Tele erinnert. Stones, funky Tunes, mit und ohne vollem HB, auch hier hat es sich ausgezahlt, den HB über den Minischalter umschalten zu können und keine Autosplitfunktion einzubauen, denn beide Varianten haben in den jeweiligen Kombistellungen ihre Berechtigung. Ihre tollen Sounds liefert die Gitarre dabei sowohl in cleanen wie crunchigen und stärker verzerrten Einstellungen gleichermaßen ab.

Werfen wir doch mal einen Blick auf diesen Traumhals! Dieses Bauteil einer elektrisch verstärkten Holzkomposition mit 6 aufgespannten Stahldrähten ist ja gerade im Anschraubverfahren das A und O für mich. Nicht nur, dass es die künstlerischen Ergüsse durch angenehmes, komfortables Spiel unterstützen soll, nein, es ist auch sehr klangformend. Hier habe ich mich mit vollem Bewusstsein für eine etwas seltenere Variante entschieden, den Ahornhals mit aufgeleimtem Ahorngriffbrett. Beides ist aus geröstetem Ahorn, was zur Zeit ja der neueste Schrei ist, aber wohl nicht umsonst mittlerweile von vielen Herstellern verwendet wird. Es soll leichter, stabiler, weniger anfällig für Temperaturschwankungen und den Lauf der Zeit sein. All dies trägt für gewöhnlich auch zum guten Ton bei. Durch das aufgeleimte Griffbrett erhoffte ich mir etwas mehr Attack und Twang als bei einem Palisander (oder ähnlichem) Griffbrett, aber halt nicht zuviel davon, wie es bei einem einteiligen Ahornhals schon mal sein kann. Für mich ist dieses Ziel aufgegangen! Die gesamte Gitarre hat einen enormen Attack, viel Twang, dennoch ist das Höhenverhalten perfekt, sprich sie sind da, tun aber nicht weh. Dazu ist der Hals traumhaft bespielbar, die Bundierung ist ein Kunstwerk, das Profil ist kräftig, aber nicht fett und durch das Ölen der Rückseite und des Griffbretts „flutscht“ es einfach nur so. Ich glaube, das ist so ein Hals, auf dem man sich einfach wohlfühlen muss, egal wie die Griffel auch ausgestaltet sind. Da kann sich auch Musicman noch was von abschauen!

Der Body aus Erle ist eigentlich Tele-Standard bis auf den Tommy, äh Tummycut :mrgreen: , und den erleichterten Zugang zu den hohen Lagen am Halsübergang durch Verrundung und Abflachung desselben. Es sind diese kleinen Details, die für mich den Unterschied zwischen einer vintagekorrekten und einer Player-Gitarre ausmachen. Letztere wollte ich auf der Suche nach dem EINEN Bühneninstrument für den ganzen Abend. Das ABM-5050-Tremolo ist auch so ein hervorragendes Zubehörteil, hier schwebend eingestellt. Es ermöglicht geschmeidiges Tremolieren bei gleichzeitig toller Stimmstabilität. Die Schaller Lockingmechaniken tragen hier sicherlich auch ihren Teil dazu bei. Potis, Schalter, überhaupt alles an dieser Gitarre fühlt sich sehr wertig an und trägt so in der Gesamtheit zur Zufriedenheit bei. Der Treble Bleed funktioniert perfekt und was auch sehr erstaunlich ist, ist die gute Abschirmung. Da verlieren Singlecoils mit höheren Gaineinstellungen unter Lichtfeuerwerken gleich ihren Schrecken!

Fazit:
Ich habe tatsächlich mein Trauminstrument bekommen :thumbs: . In den vergangenen 35 Jahren hatte ich viele Instrumente, jede Menge Try and Error, aber dadurch hat sich auch rauskristallisiert, was ich will. Mit diesen sehr konkreten Vorstellungen bin ich zu jemanden gegangen, der diese Vorstellungen aufnehmen konnte, sie bei Bedarf in Nuancen unterstützte und sonst perfekt umgesetzt hat. André hat zu mir gesagt, es sei nicht möglich, vorhersehbar ein Instrument zu bauen, das genauso wie Instrument XY klingt. Aber er könne ein handwerklich perfektes und sehr gut klingendes Instrument garantieren. Und das stimmt so! Von daher war für mich im Nachhinein der Gang zu einem Gitarrenbauer mit seiner Reputation ein Volltreffer. Er hat verstanden, was ich wollte, das ist eigentlich das Entscheidende.

Diese T-Caster ist nicht billig, aber im Vergleich zu einem Fender CS Instrument preiswert. Und ich rede hier von Teambuilt, nicht Masterbuilt, denn letzteres ist das, was André macht. Ich will nicht verschweigen, dass es für die Nerven in dieser Preisklasse von knapp 3k besser ist, aus einer Auswahl von bereits fertigen Instrumenten dasjenige auszusuchen, das einem am meisten zusagt. Das Problem war, dass meine Wunschvorstellungen in „fertig“ nicht existiert haben. Und was mir sehr zur Beruhigung beigetragen hat, war die Tatsache, dass ich über die Jahre bereits einige Staufer Gitarren in der Hand und gespielt hatte (ich denke, es waren so 6-8). Keine davon war „nur“ gut, alle waren mindestens sehr gut bis herausragend. Und ebenso ist mein „Player“ geworden, ein herausragendes Instrument. Over and out!

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Re: Ein erstes Kurzreview zu der Staufer T-Caster

Beitragvon tommy » Freitag 11. Mai 2018, 14:44

Rainer, Du hast alles richtig gemacht! Das freut mich ungemein für Dich. Schön, wenn ein Instrument nicht nur optisch ein Traum ist, sondern auch in allen anderen Belangen große Klasse offenbart! Für unter 3k ein Witz!

Ich würde sie übrigens jeden Abend mit ins Bett nehmen! Anstatt Teddy. :lol: :thumbsup03:
LG Tommy


Ich wünsch' mir einen Dudelsack!
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Re: Ein erstes Kurzreview zu der Staufer T-Caster

Beitragvon telly45 » Freitag 11. Mai 2018, 14:57

tommy hat geschrieben:Rainer, Du hast alles richtig gemacht! Das freut mich ungemein für Dich. Schön, wenn ein Instrument nicht nur optisch ein Traum ist, sondern auch in allen anderen Belangen große Klasse offenbart! Für unter 3k ein Witz!

Ich würde sie übrigens jeden Abend mit ins Bett nehmen! Anstatt Teddy. :lol: :thumbsup03:


Woher weißt du dass ich sie jeden Abend mit ins Bett nehme :kopf_kratz01: ? Also vor allem wegen dem schönen Tommycut mach ich das :panic: :undwech:
Gruß Rainer
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Re: Ein erstes Kurzreview zu der Staufer T-Caster

Beitragvon bluesation » Freitag 11. Mai 2018, 15:07

D' Hauptsach isch, wenn ma' z'friede isch (Äffle und Pferdle, (wird keiner mehr kennen)).
Da kann man Dich nur beglückwünschen. :thumbsup03: :prost:
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Re: Ein erstes Kurzreview zu der Staufer T-Caster

Beitragvon telly45 » Freitag 11. Mai 2018, 15:13

bluesation hat geschrieben:D' Hauptsach isch, wenn ma' z'friede isch (Äffle und Pferdle, (wird keiner mehr kennen)).
Da kann man Dich nur beglückwünschen. :thumbsup03: :prost:


Oh doch, die kenne ich nur zu gut dank schwäbischer Eltern :rofl:
Gruß Rainer
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Re: Ein erstes Kurzreview zu der Staufer T-Caster

Beitragvon Batz Benzer » Freitag 11. Mai 2018, 15:32

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Re: Ein erstes Kurzreview zu der Staufer T-Caster

Beitragvon Duke » Freitag 11. Mai 2018, 19:34

tommy hat geschrieben:Rainer, Du hast alles richtig gemacht! Das freut mich ungemein für Dich ...


+ 1 - Coole eigenständige Optik, sehr fein. :thumbsup02:

Wenn sie auch noch tonal gefällt top.

Kann das nachvollziehen, wenn man sich eine Gitarre bauen lässt, kann man ganz schön ins Schwitzen geraten.
Kenne ich von meiner Paula - da ist es auch gut gegangen. :banana01:

Viel Spaß mit der Schönheit!
Zuletzt geändert von Duke am Freitag 11. Mai 2018, 22:08, insgesamt 1-mal geändert.
LG
Uwe
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Re: Ein erstes Kurzreview zu der Staufer T-Caster

Beitragvon SilviaGold » Freitag 11. Mai 2018, 20:56

Schön das du nach so langer Zeit deine Traumgitarre verwirklicht hast. :mrgreen:
Ich denke ich weiss wie das ist...denn ich habe nach langen Jahren der Sucherei auch eine Strat wo ich sagen:
DIE passt für mich!
Ich wünsche Dir lange Freude Damit :thumbs:


LG Andrea :D
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Re: Ein erstes Kurzreview zu der Staufer T-Caster

Beitragvon Wizard » Freitag 11. Mai 2018, 21:21

Duke hat geschrieben:+ 1 - Coole eigenständige Optik, sehr fein. :thumbsup02:

Wenn sie auch noch tonal gefällt top.


My words! :mrgreen: (hab grad versucht es anders auszudrücken, aber genau das waren wie gesagt auch meine Gedanken) :mosh:

Rainer, viel Spaß mit dem schönen Teil :thumbsup03:
Gruß Peter

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Re: Ein erstes Kurzreview zu der Staufer T-Caster

Beitragvon telly45 » Samstag 12. Mai 2018, 09:45

Vielen Dank euch allen für eure freundliche Anteilnahme :mrgreen: :prost:
Gruß Rainer
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