Mein selbstgebauter Formentera Bass

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Mein selbstgebauter Formentera Bass

Beitragvon SHBRainer » Sonntag 23. September 2018, 10:02

Hallo Zusammen: hier erst einmal das Ergebnis: [youtube]watch?v=NwsePwDP4IU[/youtube] https://www.youtube.com/watch?v=NwsePwDP4IU

Nachts um Halbzwei war ich mit großer Verspätung (Fluglotsenstreik in Marseille) aus Formentera zurückgekommen. Als Erstes zum Sperrgutgepäckband, Basskoffer geöffnet und mit Erleichterung festgestellt, dass das neue Familienmitglied unversehrt den Flug überstanden hat.

Ich bin Wiederholungstäter. Vor 17 Jahren hatte ich eine Gitarre bei Ekki Hofmann / Formentera Guitars gebaut. Daher war mir diesmal klar, dass ich bei passenden Engagement mit einem sehr ordentlichen Instrument heimkehren werde. Diesmal war es so gelungen, dass Ekki den fertigen Bass nur ungern gehen ließ.

3 Wochen Formentera. In der noch kühlen und feuchten Fonda Pepe, spartanisch und rustikal gleich um die Ecke von Formentera Guitars. Da ich bereits am Samstag anreisen musste, trat ich schon vor Kursbeginn zum Werkstattputzen für den ersten Kurs des Jahre an. Schon war ich wieder an den Staub und Holzgeruch gewöhnt. Am Abend auch die drei weiteren Kollegen kennengelernt, zweimal Gitarre und ein weiterer Bass. Das Team scheint zu stimmen, das hatte sich auch die ganzen drei Wochen dann so bestätigt

Montag zum ersten Kurstag erst einmal zum Frühstück in der nahen Bar getroffen, direkt an der Hauptverkehrsachse von Formentera (12.000 Einwohner, traumhafte Strände, hervorragende Gastronomie und sonstige Versorgung, aber in der 3.Aprilwoch noch recht frisch).Dann ab ins Holzlager. Nach Sichtung des Bestandes hatte ich mich für leichte Sumpfesche und einen sehr ausgefallenen rötlichen Riegelahorn für den Body und einen strammen Riegelahornkantling als Hals entschieden. Zudem hatte ich in den dunklen Ecken der Werkstatt ein wenig schwarzes Holz (keine Ahnung was) als Trennschicht für den Body und ein nettes Stück Palisander (ja. Cites-legitimiert) für das Griffbrett ausgemacht.

Das Abrichten des Holzes an der vorsintflutlichen Kreissäge hatte ich besser Ekki überlassen, meine Finger brauche ich ja noch zum bassen (dies und das Schleifen an der großen Bandmaschine waren allerdings auch so ziemlich die beiden einzigen Hilfsjobs von ihm, der Rest ist auf meine kläglichen handwerklichen Fähigkeiten zurückzuführen).

Na, in Folge mal ein wenig kürzer: Body verleimt, Grobform mit der Bandsäge ausgeschnitten, geraspelt, gefeilt, zu Tode geschliffen, alle Öffnungen gefräst, Griffbrett aufgeleimt, den Holzklotz in einen trussrodbewehrten Hals verwandelt, Knochensattel gefertigt, bundiert und Bünde abgerichtet, Pickups gewickelt, alles zusammengebaut, geölt, gewachst, .......... drei Wochen Arbeit und am letzten Tag dann endlich die Saiten aufgezogen. Und siehe da, sieht aus wie ein Bass, klingt wie ein Bass und wiegt maximal 3.7 kg (eher weniger, ich wiege ihn noch).

Ein paar Details: Die massive Gotohbrücke fand sich in den hiteren Winkeln einer Technikschublade, sie wird wohl schon lange nicht mehr herstellt. Super flexibel, das schwerste Teil am Bass und ich wollte ja ein 19 mm Stringspacing (Fußballfeld, wie Ekki verächtlich schnaubte ). In Halsposition ein fetter mit Riesenmagneten ausgerüsteter Singlecoil (Monoprezi, was immer das heißt; heftig herzustellen, die Pappen sägen, widerspenstige Magnete mit dem Schraubstock einpressen, mit "Super Glue" fixiren, 12.000 PS draufwickeln, beatmen, messen .....), in Stegpositon ein splittbarer Humbucker mit 2 x 7500 PS. Die Hörnchen auf den Hörnern (ja, ich weiß, die heißen anders) hatten ebenso wie die Shapes Geduld und Liebe zum Detail erfordert. Die Schaltung ist simpel und einfach: Volume, Blende, Ton, Push-Pull für Singlecoilsplitting des Humbuckers. Der Klang bestätigt es, da muss nichts Aktives rein.

So, nun erst mal eine Woche Alkoholpause (oder eine halbe Woche, halt täglich jeweils vormittags :-)). Zweimal Barbeque und einmal Resteessen in Ekkis neuem Haus sowie die vielen nächtlichen Male (Die Arbeit ging jeweils bis ca. 22:30 Uhr, danach ist der gepflegte Spanier zum Dinner bereit) haben unerwarteter Weise beim heutige morgendlichen Wiegen keine Spuren hinterlassen. Formentera ist immer noch ein Refugium für die letzten überlebenden Hippies, wohlbetuchen Edelaussteiger und einer überschaubareb Anzahl rheinländischer Spanienromatiker. Die Gesichter kenn man schnell und rasch versteht man wer mit wem kann und wer nicht ... Unglaublicher Spießertratsch gepaart mit esoterischem Snobismus und der Tabak riecht meist komisch. Nur nicht im Juli oder August hinfahren, da gehen die oben genannten Spezies achtlos unter. Ach ja, die Bodys (der Gitarren und der Touristen) werden tatsächlich immer noch kurz im Mittelmeer versenkt.

Gestern bei Sturmwarnung auf die Fähre, ein Abstecher zu einem Livekonzert in der Can Jordy Blues Station auf Ibiza (Ivan, der Schweizer Kollege trat dort mit auf) , von dort um 18:30 Uhr zum Airport, Basskoffer aufgegeben (48 € an Easyjet), mit 1,5 Stunden Verspätung nach Basel gejettet, Bus verpasst und mit dem Taxi heim nach Freiburg. Bis 03:00 Uhr musste ich dann noch austesten ob das Nachtleben auch zuhause klappt und heute Morgen muss ich ja Euch schon berichten.

Macht hinne: Bis auf den morgen beginnenden Kurs sind dieses Jahr wohl alle anderen schon ausgebucht. Ekki wird auch nicht jünger und viel seiner Arbeitszeit wird von der Kommunikation mit den in Schlange antretenden "Chicas" der Insel in Beschlag genommen. Sichert Euch Eure Formentera Guitar .....

Ach ja, im "Normalbetrieb" beschränken sich meine handwerklichen Fähigkeiten auf Grillen, Bier- und Weinflaschen öffnen sowie neue Saiten aufzuziehen. Und nun wünsche ich Euch einen gemütlichen Sonntag
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Re: Mein selbstgebauter Formentera Bass

Beitragvon Kershaw » Sonntag 23. September 2018, 10:20

Toller Bericht. Danke.
Wo sind denn die Fotos? :mrgreen:
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Re: Mein selbstgebauter Formentera Bass

Beitragvon SHBRainer » Sonntag 23. September 2018, 12:36

Bin zu doof Fotos hochzuladen und zu ungeduldig hie im Forum rumzustöbern wie es geht :roll:
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