Gretsch G5127 Electromatic aus dem Peerless-Werk

Besprechungen von getestetem Gitarren-Equipment

Gretsch G5127 Electromatic aus dem Peerless-Werk

Beitragvon Batz Benzer » Donnerstag 23. Juni 2016, 10:29

Ich glaube, es erwähnte es eventuell bereits das ein oder andere Mal, und selbst wenn nicht, dürfte es verhältnismäßig offensichtlich sein, wenn man hier ein wenig mitliest: Ich bin Gretsch-Fanboy! :mrgreen:

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Bin ich gemeinhin der Meinung, dass Perfektion nicht bedeutet, so viel wie möglich, sondern so wenig wie nötig von etwas zu haben und ich meinen Fuhrpark entsprechend zusammenstelle wie pflege, so fällt es mir schwer bis unmöglich, diesen Maßstab bei den herrlichen in New York ausgedachten und von Cowboys gespielten Luxuskreuzern anzulegen: Ich bin ihnen hoffnungslos verfallen!

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Ich habe für mich selbst feststellen dürfen, dass ich mit den Electromatic-Gitarren von Gretsch bestens bedient bin; reizt mich bisweilen auch die mondäne Optik der "Originale" aus Japan - nur noch Custom Shop-Modelle stammen aus den USA -, so habe ich über die Jahre anhand vieler Gitarren der Firma gelernt, dass ich die preisgünstigere Korea-Serie klanglich schlüssiger finde und besser bedienen kann.

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So hatte ich einige originale Kübel am Start im Laufe der Zeit, bisweilen reinstes Eye-Candy, aber all diesen Exemplaren fehlte für mich im Klang das, was ich hören wollte. Als reines Tester-Glück bezeichne ich die Zeit, da ich eine japanische Tiger Flame, eine Peerless-Electromatic und eine Samick-Electromatic mein Eigen nannte: Ich konnte ohne Zeitdruck ganz in Ruhe raus finden, welche der drei Schönheiten mir am besten gefiel.

(Kurze Exkursion: Gretsch lies die koreanischen Modelle zunächst bei Peerless [Seriennummern wohl beginnend mit "KP"], dann bei Samick [Seriennummern wohl mit "KS" beginnend] fertigen.)

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Damals gewann die Samick; aber nur, weil sie neu war, dank des steileren Halswinkels die deutlich höhere "Körperspannung" hatte und die F-Löcher der Peerless im Vergleich so grobmotorisch groß wirken; überdies hatte ihr Bigsby keine Andruckrolle.

Da komme ich also her. 8-)

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Als vor ein paar Wochen in den eBay Kleinanzeigen eine G5127 aus dem Jahr 2004 auftauchte, war ich gefangen: Genau dieses Modell mit DeArmonds in herrlichem Babyblau wollte ich schon immer mal haben! :sabber:

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Überdies ein Exemplar aus dem Peerless-Werk; ein solches wollte ich allzu gerne noch mal mit jenen von Samick vergleichen können, zumal ich meiner Ex von damals immer noch ein wenig nachgetrauert hatte.

Nach erfolgreicher Kontaktaufnahme mit dem Verkäufer konnten wir uns auf einen Betrag einigen, den ich mit meinem Gewissen vereinbaren konnte, und nach längerer Wartezeit und Nachfragens kam sie dann bei mir an.

Leider gab es erst einmal Ernüchterung beim Auspacken: Die einst hellblaue Gretsch ist im Laufe ihres Lebens zugunsten eines Taubenblaus ergraut! - Hier kann ich dem Verkäufer aber keinen Vorwurf machen, so sieht sie auch auf den Bildern aus; ich hielt es für Farbtoleranz.

Mittlerweile finde ich die Farbe sogar extrem geil - aber die Erwartungshaltung war eben erst einmal eine andere. Zargen und Rücken sind übrigens schwarz gehalten, ebenso der Hals.

Auf den zweiten Blick: Hey, der Korpus ist ist ja viel dünner! - Eher Tennessee Rose als 6120. Und... Moment mal, ist die Decke eingestürzt? - Nee, die ist nur so geformt, dass man das in Höhe Hals-PU im seitlichen Blick denken könnte. Puh, Glück gehabt...!

Der Neck liegt gut und ausreichend satt in der Hand, ohne fett zu sein; ein gut abgerundetes C, würde ich sagen; die Mechaniken sind gekapselt und schön satt laufend. Die ganze Gitarre vermittelt trocken gespielt das Gefühl einer sympathischen kleinen Knarzekiste, die auch den Bassbereich vergleichsweise satt überträgt, in den Mitten schön warm drückt und im Diskant ebenso warm sparkelt; wieder Tennessee Rose!

Das Bigsby reagiert überraschend direkt und verstimmungsfrei, was man bei der Andruckrolle in der Tendenz anders vermuten könnte. Die Saitenlage ist sehr tief einstellbar, was ich aber in Hinblick auf die klangliche Ausbeute eher nicht empfehlen möchte; zu gebremst, undynamisch und dünn präsentiert sie sich dann. Mit ausreichend Abstand hingegen ist es eine musikalisch interagierende Wundertüte!

Im Gegensatz zu ihrer ebenfalls mit DeArmonds bestückten Samick-Schwester peitscht der Ton über den Steg-PU weniger als dass er knallt ("A Shot In The Dark" - Grüß Dich, Diet! :D ), ist tiefer, profunder und sustainreicher, was ganz klar auch dem Saitenandruck geschuldet ist; hier punktet das Andruckrollen-Bigsby klar! Allerdings hat auch der flirrigere, silbrig-schimmernde Samick-Ton gerade in der Zwischenposition und am Hals etwas; das muss jeder mit sich selbst ausmachen.

Apropos: In der Zwischenposition ist der Abstand der beiden Pickups bei der vorliegenden Peerless-Version minimal größer, das Resultat ist ein herrlich-perlendender, schmatzender, ausgehöhlter Klang. Am Hals stellt sich wohlige Wärme mit raunender Tiefe ein; im direkten Vergleich tönt die Peerless dunkler, die Samick bringt mehr Höhen und Schmatz im Spiel.

Fazit: Das ist eine schöne Gretsch-Gitarre, bei der man nicht das Gefühl hat, dass ein anonymes XY-Werk eines seiner eigenen Modelle leicht verändert als Gretsch ausgibt; ganz im Gegenteil gelang es den Peerless-Leuten, dieser Gitarre eine ganze Menge Gretsch-Mojo einzuhauchen! :thumbsup03:

Würde ich jetzt sagen: Weniger als es bei Samick der Fall ist, so wäre das meines Erachtens nicht zutreffend: Auch diesen gelingt es heute mehr denn je, Trademarks des Gretsch-Sounds einzufangen, aber eben andere; beide Spielarten sind - entsprechende Pickups wie DeArmonds, Blacktop Filtertrons oder HiLoTrons vorausgesetzt - schon ganz klar Gretsches!

Auch wenn man in Details immer noch darauf achtet, dass es eben nicht die opulente (Optik-)Vollbedienung wie aus Japan und USA gibt, was ich ähnlich vertretbar finde wie ich auch mit einer Fender jenseits des Custom Shops den typischen Klang in Reinkultur kaufen kann, ohne dass Klangwünsche offen bleiben.

Peerless-Gitarren haben eben den stärkeren Andruck und damit höheren Saitenzug im Vergleich zu den Samicks und damit einen mittigeren, "bolzigeren" Ton und ein strafferes Spielgefühl; "auf Band" verliert sich dieser Unterschied dann doch recht schnell; ich kann von einer in die andere Gitarre überblenden, ohne dass ich den Unterschied bemerken würde. Das Spielgefühl weicht da schon deutlicher ab.

PS: Ich habe das ursprünglich schwarze Pickguard durch ein silbernes ersetzt, welches mit seinen Humbucker-Spacings zwar nicht ganz passt, was mir aber ziemlich latte ist.

Lieben Gruß,

Batz. :smoke01:
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Re: Gretsch G5127 Electromatic aus dem Peerless-Werk

Beitragvon Wizard » Donnerstag 23. Juni 2016, 10:56

Extremst verschärftes Teil und tolle Bilder + Text. Thanx, Micky. Der Sabber Smiley trifft hier den Nagel ... :sabber: :sabber: :sabber:
Gruß Peter

immer noch aktuell: >>> leben und leben lassen <<<
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Re: Gretsch G5127 Electromatic aus dem Peerless-Werk

Beitragvon Big Al » Donnerstag 23. Juni 2016, 12:43

Extremst geil. Seit ich meinen ersten Bigsby Kübel (Epi Riviera Custom P93) besitze und mir das Handling und der Sound sehr gut gefällt, bin ich schon nach einer schönen Gretsch am gieren. Leider ist weiss keine Farbe die ich mit einer schönen Gretsch assoziiere.
Denk da lieber nochmal drüber nach (Stoppok)
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Re: Gretsch G5127 Electromatic aus dem Peerless-Werk

Beitragvon Batz Benzer » Donnerstag 23. Juni 2016, 15:33

:prost:

Und ich bin dankbar dafür, da ich hier seit Tagen die beiden DeArmond-Gretsches gegeneinander antreten lasse und leider finden muss, dass beide so ihre klanglichen wie spieltechnischen Vorzüge haben... soll heißen: ich behalte ich weiße dann wohl doch.

Auch.

Noch.

Verdammt... :mad01:

Außerdem mag ich auf lange Sicht so eine eierschalenweiße Doppelcut-Schönheit à la White Falcon mein Eigen nennen... :sabber: :sabber: :sabber: ... will sagen: Ich hab' kein Problem mit Weiß! ;)

Danke für Euer Feedback,

Batz.
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Re: Gretsch G5127 Electromatic aus dem Peerless-Werk

Beitragvon Magman » Donnerstag 23. Juni 2016, 16:11

Hat Spaß gemacht zu lesen Micky :thumbs: Und ja, die Farbe hat was finde ich. Ich finde ja gerade die Kübel mit DeArmonds scharf, da sie irgendwie den Gretsch Ton zelebrieren den ich am liebsten mag.

Viel Spaß beim twängen Bild
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Re: Gretsch G5127 Electromatic aus dem Peerless-Werk

Beitragvon Batz Benzer » Donnerstag 23. Juni 2016, 16:20

Magman hat geschrieben:Hat Spaß gemacht zu lesen Micky :thumbs: Und ja, die Farbe hat was finde ich. Ich finde ja gerade die Kübel mit DeArmonds scharf, da sie irgendwie den Gretsch Ton zelebrieren den ich am liebsten mag.

Viel Spaß beim twängen Bild


Danke Dir, Mäggy! :pray01:

Ich bin ebenfalls großer Liebhaber der DeArmonds und ihrem Ton. Das ist so ein wenig wie Preci (Filtertron) und Jazz Bass (DeArmond): Erstere sind breiter aufgestellt und fetter, aber letztere gehen weiter nach oben und nach unten, in die Höhen und in die Tiefe, können raunen, verzeihen wenig bis nix und sind natürlich in Sachen Dynamik nicht zu toppen.

Ich hatte u.a. genau zu diesem Thema gerade mit dem von mir für seinen Ton so überaus geschätzen Buddy Holgi gemailt, weil ich wissen wollte, warum er die TV Jones zugunsten der ollen DeArmonds wieder rausgeschmissen hat aus seiner G5129; auch einer von uns! :prost:

Wobei ich auch Filtertrons und Co. liebe, wichtig finde und nicht missen mag. Aber wer z.B. Duane Eddy will, der muss auch DeArmond sagen; so einfach ist das. :smoke01:

Bei der Farbe musste ich übrigens schwer an Dich, Mr. Martin Pelham Blues Boy Müller, denken, ist quasi Aspen Blue ohne Metallic. Und Rainer Mumpitz äußerte sich sofort ebenso in die Richtung, als er sie sah, in Referenz an Moses Pelham und Deinen einen. :mrgreen:

Lieben Gruß,

Batz.
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Re: Gretsch G5127 Electromatic aus dem Peerless-Werk

Beitragvon M. L. Schwan » Donnerstag 23. Juni 2016, 19:01

Hi,
ich hab ja auch schon mit DeArmonds für meine Tennessee Rose geliebäugelt, zumal mir die Filtertrons zu belegt vorkamen.
Aber nach meiner Potiaustausch-Aktion hat sich das erübrigt. Ich finde, dass die Filtertron auch eine Menge "Twang" bieten.
Viele Grüße
- Der Schwan -
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Re: Gretsch G5127 Electromatic aus dem Peerless-Werk

Beitragvon Diet » Donnerstag 23. Juni 2016, 23:08

Moin,

was für ein geiles Teilchen!
Auch in Sachen Farbe!
Voll mein Ding!

Offtopicgretsch:
Und da ich ja in Sachen A shot in the dark persönlich gegrüßt wurde:
Das Stück hab ich auch in diesem Jahr in Quakenbrück irgendwann zwischendurch kurz angespielt, warum auch immer, es fiel mir ein und es passte gerade irgendwie.
Und es ist etwas draus entstanden, was echt klasse war und total Spaß gemacht hat!

Wollt ich nur mal anmerken.
Dieses Stück ist irgendwie genial und fast schon Weltkulturgut, nicht nur mit einer Gretsch.
Das kennt nicht ohne Grund wirklich fast jeder Mensch in jeder Ecke dieser Welt :thumbsup03:

Gruß Diet
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Re: Gretsch G5127 Electromatic aus dem Peerless-Werk

Beitragvon Batz Benzer » Dienstag 28. Juni 2016, 08:49

Henry Mancini hatte diese unfassbare Fähigkeit, Melodien für die ganze Welt zu schreiben; der Pink Panther oder der baby Elephant Walk sind da ja ebenfalls ganz vorne! :thumbsup03:

Ich freue mich aufs Revival in der Eifel!!! :mrgreen:

Herzlichst,

Insp. Clouseau (& Cato). :smoke01:
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